Wie ein Courage Treffen organisiert werden kann

von Pater James B Lloyd, CSP


 
Jedes Gruppentreffen hat seine eigene Dynamik. Man muss sich einige realistische Gedanken darüber machen, wie man die Veranstaltungsführung wählt, damit sie am besten zum eigenen Stil und Temperament passt. Beispielsweise hat eine Lerngruppe in ihrem Zentrum einen "Anführer", denjenigen mit allen Antworten. Diese Situation findet man offensichtlich in einem Weiterbildungskurs, in welchem jemand (der Lehrer) über Informationen verfügt, um sie jenen mitzuteilen, denen diese Informationen fehlen (Lernende). Diese Gruppenkonfiguration findet sich in Ausbildungsgruppen wie zum Beispiel bei Polizei- oder Feuerwehrausbildungen. Sie geht davon aus, dass alle sich dem Leiter unterordnen und seine Äusserungen akzeptieren. Dies wäre eine eigenartige Atmosphäre für Courage Treffen.

 
Einige Gruppen sind von Grund auf interaktiv und finden ihre Bedeutung und Stärke dadurch, dass sie zwischenmenschliche Kommunikationsstile mit oder gegeneinander ausprobieren. Dies ist eine schwierig zu führende Gruppe und benötigt einen Leiter mit solidem psychologischem und kommunikativem Hintergrund. Ein solcher Stil wird in psychologisch orientierten Gruppen angewandt, wo Mitglieder stärker zwischenmenschliche Heilung suchen als dies in den Zielen von Courage vorgesehen ist. Ihr Fokus ist speziell "psychische" Heilung auf einer weltlichen Ebene.

 
Einige Courage Leiter haben herausgefunden, dass eine Vorlesungsstruktur mit anschliessenden Fragen hilfreich ist. Viele wenden gegen diese Struktur ein, dass sie zu einer intellektuellen Ausrichtung neigt, die zwar interessant ist, aber sich wenig auf die schädlichen Beweggründe der Homosexualität auswirkt. Einige Leiter laden verschiedene Referenten ein, die verschiedene Aspekte der gleichgeschlechtlichen Attraktion im Treffen behandeln. Einige feiern eine Heilige Messe. Andere zeigen ausgewählte Filme. Wieder andere lassen ihre Mitglieder in Rotation während einiger Wochen oder Monate ihr Zeugnis geben. Es ist klar, dass jede der erwähnten Inhaltsarten bei Treffen einige Aspekte haben, die nützlich und hilfreich sein können. Einige Leiter glauben, dass das Treffen auf die Bedürfnisse einer speziellen Gruppe massgeschneidert sein sollte - nach Alter, Hintergrund und ähnlichem. 

 
Es ist wichtig, dass Interessierte wissen, dass Courage KEIN Platz für Verhandlungen, Dialog oder Diskussionen (Debatten) ist. Menschen kommen NUR DANN zu Courage, wenn sie eine katholische Heilung von den Schmerzen der gleichgeschlechtlichen Attraktion suchen. Es kann mit den Anonymen Alkoholikern verglichen werden, wo Mitglieder nicht eine Art von gemässigtem oder kontrolliertem Trinken suchen sondern einen kompletten Bruch mit ihrem toxischen Verhalten, welches ihr Leben zu zerstören droht. Courage ist ganz klar kein Homosexuellen-Treff oder "Pick-Up-Platz" sondern ein "sicherer" Ort, um die Kontrolle über seine sexuellen Triebe wiederzuerlangen und zu sexueller Gesundheit zurückzukehren. 

 
Nachdem ich über zehn Jahre lang eine Gruppe in der Pfarrei Paulist Fathers in New York City geleitet habe und Treffen in anderen Gegenden als Gastreferent besucht habe, habe ich mich auf ein Organisationsmuster spezialisiert, das für viele unterschiedliche Arten von Mitgliedern gut funktioniert hat und für viele Stile adaptierbar zu sein scheint. Die kurze Skizzierung in den nächsten Absätzen kann ausgedehnt und flexibel an die Bedürfnisse des spezifischen Treffens angepasst werden.

 
Das Treffen beginnt um 19:15 Uhr (soweit möglich exakt pünktlich). Es endet um 20:45 Uhr und findet in einem separaten Nebenraum statt. Stühle werden in einem Kreis so aufgestellt, dass alle Mitglieder sich gegenseitig klar sehen können. Die Lichter werden relativ gedimmt gestellt, um eine ruhige, entspannte und sichere Atmosphäre zu erzeugen. Ein Krug Wasser ist jederzeit für alle Mitglieder während des Treffens verfügbar. 

 
DAS KREUZZEICHEN wird zu Beginn geschlagen und drückt so nonverbal aus, dass das Treffen in jeder Weise katholisch ist. 

 
Es folgen zwei Gebete: (1) das Vaterunser und (2) das Gelassenheitsgebet (http://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet).

 
Die Ziele von Courage werden IMMER vorgelesen, damit keine Missverständnisse oder Überraschungen entstehen. 

 
Eine KURZE Lektüre wird von einem der Mitglieder aus dem katholischen Zwölf Schritte Buch vorgelesen. Die Schritte folgen einander jede Woche rotierend und werden nach zwölf Wochen erneut von Beginn an gelesen. 

 
Gewöhnlich vom Leiter wird eine kurze Reflektion über einige Aspekte der spirituellen/psychologischen/sozialen Dimensionen des Problems der gleichgeschlechtlichen Attraktion gehalten. Man muss sorgsam darauf bedacht sein, das MENSCHSEIN der Mitglieder zu betonen und nie Homosexualität zum zentralen Aspekt der menschlichen Persönlichkeit zu machen. Die Ungleichheit der Phrase "ich bin homosexuell" wird immer herausgefordert und gemäss dem katholischen Menschenbild und katholischen Einsichten korrigiert. Mitglieder sind Kinder Gottes, die "zufällig" mit einer Art Kreuz belastet sind, das Courage gleichgeschlechtliche Attraktion nennt. Innere Keuschheit ist der zentrale Angelpunkt des Treffens.

 
Es folgt die "Reihum-Methode", in der jedes Mitglied nacheinander die Gelegenheit erhält, über seine/ihre Gefühle, Probleme, Herausforderungen, Hoffnungen, Ängste etc. zu sprechen. Das Mitglied kann über den Vortrag sprechen, über die Lesung oder persönliche Bedürfnisse. Der Leiter spricht jedes Mitglied persönlich an. "Joe, magst Du etwas sagen?" oder "Mike, hast Du heute Abend etwas für uns?" (Ein gewisser Grad von Kontrolle durch den Leiter ist nötig, um die sich verfransenden Konsequenzen von Wechselgesprächen zu verhindern, welche strikt verboten sind). Jeweils nur ein einziges Mitglied spricht auf einmal. Niemand widerspricht ihm oder spricht mit ihm. Es gibt keine Unterbrechungen. Wir hören nur zu. Wenn jemand mit ihm interagiert, MUSS es der Leiter sein. Der Grund hierfür ist, den Ablauf des Treffens flüssig zu gestalten. Es erfolgt nicht aus diktatorischer Kontrolle sondern zu Ordnungszwecken. Die Erfahrung zeigt, dass sobald der Leiter einem Treffen das freie Gespräch erlaubt, dieses Treffen zerfällt. Die Mitglieder werden nicht wiederkommen. Wenn sie nicht wiederkommen, kann ihnen nicht geholfen werden. Falls ein Mitglied nicht sprechen will und in der "Reihum-Methode" übergangen werden will, wird dies einfach akzeptiert und das "Recht zu sprechen" geht an die nächste Person in der Runde. Viel Gutes kann einfach dadurch erreicht werden, indem man Menschen dazu ermutigt, den Gefühlen und Erzählungen von anderen zuzuhören. 

 
Die Mitglieder werden ermutigt, in der Ich-Form und nicht mit "Du", "Sie", "sie", oder "die anderen" zu sprechen. Jedes Mitglied spricht darüber, was es ganz unmittelbar bedrückt. Den Mitgliedern wird von Intellektualisierungen abgeraten, da diese gewöhnlich Mechanismen sind, welche (wenn auch unbewusst) gestaltet wurden, um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Die Äusserungen werden gewöhnlich an den Leiter adressiert (wiederum nicht, um das Ego des Leiters zu vergrössern, sondern um das Treffen so produktiv wie möglich zu gestalten). Man kann solches Verhalten sogar bei kommerziellen Fernsehprogrammen sehen. Es ist nicht negativ sondern wahrscheinlich ein menschliches Bedürfnis, um sich selbst in der schwierigen Aufgabe der Selbstkonfrontation zu verankern. 

 
Dauerredner, die Monologe halten (Monopolisten) müssen strikt aber liebevoll in einem vernünftigen Zeitlimit gehalten werden. Es kommt manchmal (wenn auch selten) vor, dass ein Mitglied sich unfair behandelt fühlt, weil es sich in seiner Redezeit beschnitten fühlt. Der Ablauf des Treffens muss dennoch zum gemeinsamen Wohl des Treffens, das heisst zum Vorteil des Individuums, eingehalten werden. Im Allgemeinen achtet der Leiter auf die Uhr und entscheidet, was für dieses wichtige Amt nun konkret die richtige Entscheidung ist. Es scheint, dass sieben bis zehn Minuten eine angemessene Zeit sind. Dies drängt die Mitglieder ein wenig dazu, rasch zum Kern ihrer Sache zu gelangen und überflüssige Themen wegzulassen, wie beispielsweise das neu gekaufte Auto oder die aktuelle Börsensituation. Jedem Mitglied muss die Gelegenheit gegeben werden, sich mitzuteilen. 

 
Bei zwölf bis 14 Teilnehmern muss der Leiter offensichtlich auf eine verantwortliche Art eingreifen, um das Treffen pünktlich enden zu lassen. Wenn die Mitglieder wissen, dass sie tatsächlich in 1.5 Stunden aus dem Treffen kommen, können sie ihren Abend planen. Sie haben ein Recht dazu, dass die Treffen PÜNKTLICH beginnen und enden. Dies ist ein weiterer kleiner aber wichtiger Faktor, um das Treffen über einige wenige Sitzungen am Leben zu erhalten. Treffen wurden schon durch unscharfe Zeitplanung, unorganisiertes Durcheinanderreden, "Diskussionen" oder die Monopolisierung durch autoritäre Leiter zerstört. 

 
Wenn die Teilnehmerzahl geringer ist, z.B. vier oder fünf, hat der Leiter die Flexibilität, um längere Selbstoffenbarungen zu erlauben, dies sollte aber immer im Kontext des Zieles (innere Keuschheit) sein. Das Treffen kann früher als geplant enden, aber nicht später.

 
Wenn die "Reihum-Methode" zu Ende ist (und dies geschieht immer ohne Beschimpfungen, Bewertungen oder "Attacken" durch irgendjemanden), bittet der Leiter eines der Mitglieder, das Treffen mit einem kurzen Gebet der eigenen Wahl abzuschliessen. Dies kann ein Psalm sein oder das Gebet eines Heiligen oder sein eigener spontaner Einfall. Dann fragt er nach individuellen Gebetswünschen von jenen, welche gerne Gebetsunterstützung hätten. Jede Fürbitte endet mit "Herr, wir bitten Dich: erhöre uns." Dann bittet der Leiter, dass alle Mitglieder in das gemeinsame Gebet MEMORARE einstimmen (http://de.wikipedia.org/wiki/Memorare) und fügt an, dass sie sich dabei ganz unserem Bedürfnis nach der Hilfe durch die Gottesmutter bewusst sein sollen. Der Leiter beendet das Treffen mit einem Segen und ruft die Liebe und den Schutz Gottes an. 

 
Wenn der Leiter ein Priester ist, bietet er nach dem Treffen eine Beichtgelegenheit an, falls jemand der Mitglieder dieses Sakrament empfangen möchte. Manchmal gehen die Teilnehmer zusammen in ein lokales Café, um sich zu unterhalten und ihre Eindrücke über das Treffen selbst zu besprechen. Dabei besteht die absolut wichtige Verpflichtung für alle, dass die VERTRAULICHKEIT kompromisslos eingehalten wird. Den Mitgliedern wird regelmässig eingeschärft, dass Themen des Treffens unter einem ähnlichen Schutz stehen wie das Schweigesiegel der Beichte. Alle haben die ernste Verpflichtung, die Reputation aller anderen Mitglieder zu schützen. 

 
Die Frage, ob Männer und Frauen in derselben Gruppe gemischt werden sollen, kann diskutiert werden. Meiner Erfahrung nach ist es praktischer keine gemischten Gruppen zu leiten. Der Ton und die Bedürfnisse der beiden Geschlechter scheinen eine Unterscheidung zu verlangen, die, so denke ich, in getrennten Gruppen besser erreicht werden kann. Es kann sein, dass vorübergehend nicht genügend weibliche Mitglieder für eine Gruppe vorhanden sind. Die Männergruppe kann ihnen dann christliche Gastfreundschaft gewähren, bis zu der Zeit, an der die Zahl der Frauen gross genug für eine eigene Gruppe ist. Männliche und weibliche Courage Mitglieder pflegen oft gute gegenseitige Kameradschaft und lernen von sich gegenseitig an Einkehrtagen, Konferenzen, Beratungsveranstaltungen oder sozialen Veranstaltungen.