Dutzende Fachbücher wurden schon über Masturbation geschrieben.
Es stellt sich daher die Frage, warum nun noch ein Theologe meint,
sich über dieses Thema äussern zu müssen. Ist es nicht sogar
arrogant zu glauben, dass man zu einem während Jahrhunderten schon
so ausgiebig behandelten Problem von Frauen und Männern noch etwas
Neues beitragen kann? Ich kann dem entgegnen, dass zum Thema sehr
wohl etwas Neues gesagt werden muss, zum Beispiel über unsere
Antwort auf neue Denkansätze zu diesem Thema, oder über unsere
persönliche Erfahrung bei der Beratung von Personen, die gegen die
Gewohnheit der Masturbation ankämpfen. In dieser Motivation habe ich
neue Erkenntnisse über die psychologischen Hintergründe der Masturbation aufbereitet,
die aus dem Forschungsfeld der sexuellen Sucht stammen. Masturbation ist
nämlich ein Paradebeispiel für sexuelle Süchte.
Meine Motivation entstammt zudem meinem Kontakt
mit religiösen Selbsthilfegruppen wie Sexaholics Anonymous (S.A.),
Sex and Love Addicts Anonymous (S.L.A.A.), Homosexuals Anonymous (H.A.)
und Courage, welche die Gewohnheit der Masturbation ernst nehmen.
Mein Beitrag ist eine willkommene Abwechslung zur Theologie von Ann
Landers, für die Masturbation eine Form von Therapie sein kann.
Ein anderer Grund, weshalb ich zu diesem Thema
schreibe, ist, dass viele gegen die Gewohnheit der Masturbation ankämpfende
Menschen keine geeignete geistliche und moralische Hilfestellung
erhalten. In manchen Fällen werden sie sogar fehlgeleitet, indem man
ihnen erzählt, Masturbation würde die Leistungsfähigkeit beim
ehelichen Akt steigern oder sie wäre Teil des Heilungsprozesses nach
sexuellen Schwierigkeiten. Es ist heute bekannt, dass die Gewohnheit
der Masturbation alle Lebensphasen von der Kindheit bis zum hohen
Alter betrifft. Die Tendenz zur Masturbation findet sich bei Kindern,
Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Verheirateten, Senioren,
Ordensangehörigen, Seminaristen und Priestern.
Beachten Sie bitte die Wortwahl "Tendenz zur
Masturbation", genauer noch spreche ich von der ungeordneten Tendenz
zur Masturbation. Auf verschiedene Art und Weise haben nämlich viele
über diese Tendenz mit Hilfe eines geistlichen Programmes Kontrolle
gewonnen. Andere jedoch kämpfen im Dunkeln, und genau für diese
Gruppe schreibe ich. Zunächst werde ich mit einer Definition
von Masturbation beginnen, danach einige psychologische Hintergründe
vorstellen. Zuletzt werde ich mit einigen pastoralen Wegleitungen
schliessen. Diese umfassen auch Elemente für ein pastorales Programm,
das Betroffenen helfen wird, die eine chronische Last überwinden
möchten.
Masturbation wird manchmal Onanie und in
nichtkirchlichen Büchern auch Selbstbefriedigung genannt. Wenn die
psychische Stimulierung während des Schlafes auftritt, spricht man
auch von nächtlicher Pollution. Pater Benedict Groeschel benutzt den
Begriff Masturbation für Handlungen im Schlaf und Halbschlaf oder
bei Kindern und früh-jugendlichem Sexualverhalten, während er den
Begriff "Eigenerotik" (auto-eroticism) für Handlungen von älteren
Jugendlichen und Erwachsenen vorsieht. "Diese", so schreibt er, "werden
von verschiedenen Ursachen in ihrem Inneren getrieben und finden in
diesem symbolischen und zutiefst frustrierenden Verhalten einen
Ersatz für echtes Leben." In einem klassischen Artikel über die
Theologie der Masturbation beschreibt Pater Jos. Farraher, S.J.,
diese als "Eigenstimulation des äusseren Sexualorganes bis zu einem
Höhepunkt oder Orgasmus, bewirkt durch Bewegungen der Hand oder
physischen Kontakt oder durch sexuell erregende Bilder oder
Vorstellungen (psychische Masturbation), oder auch einer Kombination
aus physischer und psychischer Erregung" (Quelle 2). Im weiteren
Sinne umfasst dies auch gegenseitige Masturbation, in welcher
Personen gegenseitig ihre Genitalien berühren.
Die vielleicht eindrücklichste Beschreibung der
Gewohnheit zur Masturbation findet sich in einem Brief von C.S.
Lewis und wurde von Leanne Payne in
The Broken Image zitiert: "Für mich ist das wahre Übel der
Masturbation, dass es einen Appetit benutzt, der, bei rechtmässiger
Verwendung, einen Mann aus sich selbst herausführt und ihn dazu
drängt, seine eigene Persönlichkeit in der einer Frau zu
vervollständigen und zu korrigieren (und schliesslich zu Kindern und
Enkelkindern führt), und wirft diesen Appetit auf die Person selbst
zurück, schickt den Mann in das Gefängnis seiner selbst, wo er sich
einen Harem aus imaginären Bräuten hält. Und dieser Harem, sobald er
einmal zugelassen wird, arbeitet dagegen, dass der Mann jemals aus
sich herauskommt und sich in Wirklichkeit mit einer echten Frau
vereinigt. Denn der Harem ist immer verfügbar, immer dienstbar,
verlangt keine Opfer oder Anpassungen und kann mit erotischen und
psychologischen Reizen ausgestattet werden, gegen die eine echte
Frau nie ankommen kann." Dieses Zitat trifft auf Frauen wie auf
Männer gleichermassen zu. Es drückt die Bedeutung von Masturbation
als persönliche Flucht vor der Realität in ein Gefängnis der Lust
aus.
Masturbation ist ein komplexes Phänomen. Die
vatikanische Kongregation für das katholische Bildungswesen hat 1974
klargestellt, dass eine der Ursachen für Masturbation ein sexuelles
Ungleichgewicht ist und dass daher in der Erziehung "Anstrengungen
eher auf die Ursachen als auf die direkte Problembekämpfung abzielen
sollten" (Quelle 4). Wie wir sehen werden, sind viele Faktoren im
Begriff "sexuelles Ungleichgewicht" enthalten.
Dies ist eine weise Vorgehensweise. Wir können
nicht verstehen, warum eine Person mit dieser Gewohnheit belastet
ist, solange wir nicht etwas über ihren Hintergrund wissen. Aus dem
Gespräch mit Betroffenen erfährt man, dass Einsamkeit einer der
bedeutendsten treibenden Faktoren ist und Individuen zu Isolation,
Phantasie und Masturbation führt. Einsamkeit ist gewöhnlich mit
Gefühlen tiefen Selbsthasses und Zorns kombiniert. Wenn die reale
Welt rauh und abstossend ist, flüchtet man sich in eine
Phantasiewelt, und wenn man viel Zeit in einer Phantasiewelt
verbringt, wird man ein Sklave von sexuellen Objekten (denn für das
hält man andere Personen: für Objekte).
Von nun an wird man immer in die unreale aber
angenehme Welt in der eigenen Vorstellung flüchten. Dies ist der
Beginn der sexuellen Abhängigkeit, die von Patrick Carnes so gut
beschrieben wurde (Quelle 5).
Oft wird die Gewohnheit der Masturbation
zwanghaft, das bedeutet, die Person ist nicht mehr länger dazu in
der Lage die Masturbationshandlungen zu kontrollieren, obwohl sie
hierzu grosse Anstrengungen unternimmt. Gewöhnlich fehlt einem
hiervon Betroffenen der nötige Einblick in die eigene Lage und die
Person bedarf einer Therapie in Verbindung mit geistlicher
Hilfestellung.
Manchmal, jedoch, ist die Gewohnheit der
Masturbation vorübergehend und an äussere Umstände gebunden. Zum
Beispiel verschwindet die Tendenz zur Masturbation dann sobald das
Individuum sich nicht mehr in einer bestimmten Umgebung befindet. In
einer Umgebung war eine fünfundzwanzigjährige Nonne von älteren
Ordensschwestern umgeben, mit denen sie keine wirkliche
Kommunikation pflegen konnte, in der anderen Umgebung arbeitete sie
mit Ordenssschwestern in ihrem Alter zusammen. Ihr wurde schnell
klar, dass sie in der ersten Gruppe isoliert und einsam war, während
sie in der anderen Gruppe in realen Beziehungen engagiert war. Es
könnten viele andere Beispiele gegeben werden, wo die
Masturbationshandlungen symptomatisch für andere zugrundeliegende
Faktoren im Leben der betroffenen Person sind.
Diese Symptome, die je nach Alter, externen
Lebensumständen und inneren Veranlagungen sehr unterschiedlich sind,
werden im Abschnitt zur pastoralen Beratung dieses Aufsatzes
beschrieben und bewertet. Es möge an dieser Stelle genügen, dass der
erste Schritt, den ein Priester oder Ratgeber unternehmen sollte,
genaues Zuhören zur Geschichte des Beratenen sein sollte.
Selbstverständlich sollte dies gemacht werden, wenn nicht bereits
Menschen in langen Schlangen vor dem Beichtstuhl warten und ein
Besprechungszimmer der Pfarrei könnte hierzu eine geeignetere
Umgebung sein. Zudem sollte eine derartige intensive
Grundlagenerforschung nur geschehen, wenn der Berater den Eindruck
hat, dass der Beratene selbst keinen Halt findet und geistliche
Wegleitung dringend nötig hat. Nachdem dies gesagt ist, kann ich nun
die Moral der Masturbationshandlungen und der Gewohnheit zur
Masturbation untersuchen und komme danach in einer Diskussion von
individuellen Fällen auf die psychologischen Faktoren zu sprechen.
Gemäss der Erklärung zu Fragen der Sexualethik
wird die traditionelle Lehre, wonach Masturbation eine
schwerwiegende Verwirrung darstellt, "heute oft in Zweifel gezogen
oder explizit verneint" (Quelle 6). Ein weit verbreitetes Schulbuch
weist beispielsweise darauf hin, dass empirische Fakten die
Einstellung vieler bezüglich Masturbation verändert habe. Aktive
Moralisten seien in der unangenehmen Situation, vertreten zu müssen,
dass "praktisch jeder Mann sich einer Todsünde schuldig macht" (Quelle
7). Die Autoren haben offensichtlich die Unterscheidung zwischen
objektiver Schwere und subjektiver Schuld ignoriert. In ihrer
umfassenden Literaturrecherche zu Meinungen bezüglich der Moral von
Masturbation verweisen die Autoren von
Human Sexuality auf einen
sich abzeichnenden Konsens, der das moralische Übel der Masturbation
als eine "substantielle Umkehrung in einer Ordnung von grosser
Wichtigkeit" einschätzt.
Korrekterweise weisen sie auf, dass in der ganzen
christilichen Tradition jeder Akt von Masturbation in sich selbst
als schweres Übel eingeschätzt wurde, und wenn Masturbation mit
vollem Wissen und freier Zustimmung durchgeführt wird, wurde sie als
Todsünde betrachtet. Zwei neuere Forschungsstudien bieten dem Leser
einen Hintergrund zur christlichen Tradition der moralischen
Einschätzung von Masturbation. Die erste ist eine historische Studie
von Giovanni Cappelli zum Problem der Masturbation im ersten
Jahrtausend.
Zu seinen Ergebnissen zählen die folgenden
Erkenntnisse: (1) Nirgends im Alten Testament oder dem Neuen
Testament wird das Thema Masturbation explizit angesprochen. (2)
Cappelli findet in den Schreiben der apostolischen Kirchenväter
keine Erwähnung der Masturbation. (3) Die erste explizite Referenz
zu Masturbation findet sich in der anglo-sächsischen und keltischen
"Strafordnung" des sechsten Jahrhunderts, wo das Thema in einer
praktischen und juristischen Weise abgehandelt wird. (4) Es wäre
jedoch falsch, das Schweigen der Kirchenväter zu Masturbation als
eine stillschweigende Akzeptanz oder als Indifferenz auszulegen. Die
Prinzipien, welche sie zur Sexualethik erarbeitet haben, und ihre
generelle Einstellung hätte leicht zu einer Verurteilung der
Masturbation führen können. Wir wissen nicht, warum dies nicht
geschehen ist; wahrscheinlich ist dies jedoch auf den Umstand
zurückzuführen, dass frühchristliche Autoren hauptsächlich mit
sexuellen Sünden mit zwischenmenschlicher Natur befasst waren (Quelle
9).
Die zweite Studie befasst sich mit relativen und
absoluten Normen der Sexualmoral in Schreiben des Heiligen Paulus.
William E. May baut auf der Arbeit von Silverio Zedda über das
Verständnis des Verhältnisses zwischen Körper und Person beim
Heiligen Paulus auf und kommt zum Schluss, dass Zedda keine
explizite Betonung des Lasters der Eigenerotik findet. "Aber die
Verurteilung derselben Sünde kann hier indirekt aus den Lehren des
Heiligen Paulus abgeleitet werden, wenn man als Ausgangspunkt die
Texte nimmt, in welchen er verruchte Leidenschaft im Allgemeinen
verurteilt und in welchen Moraltheologen auch Masturbation als
Laster verurteilt sehen. Analog hierzu kann man Eigenerotik als ein
Element des Zustandes sehen, in welchem sich Unverheiratete finden,
denen der Heilige Paulus zur Ehe rät: "Haben sie jedoch nicht die
Kraft zur Enthaltsamkeit, so sollen sie heiraten. Es ist nämlich
besser zu heiraten als (vor Begierde) zu brennen" (1. Kor. 7:9;
Quelle 10). Zedda sieht ebenso in den Bibelstellen Gal. 5:23, 2.
Kor. 7:1 und 1. Thes. 4:4 eine implizite Verurteilung der
Masturbation.
Die Autoren von Human Sexuality fahren fort, dass
die weitverbreitete Praktik der Masturbation insbesondere unter
Männern es für Moraltheologen schwer machte, die traditionelle
Position weiterzuführen. Dies schien in starkem Konflikt mit dem
gesunden Menschenverstand zu sein. Diese Moraltheologen spielen die
objektive Schwere des Aktes herunter und nehmen Zuflucht im
Standpunkt, wonach auf pastoraler Ebene in vielen Fällen der Mangel
an vollem Bewusstsein und der Mangel an voller Freiheit solche
Handlungen nicht zu Todsünden mache. Pater Farraher jedoch geht von
der hier konstanten kirchlichen Lehre aus und argumentiert
schlüssig, dass Masturbation eine schwerwiegende Verletzung der
moralischen Ordnung darstellt, falls man sich des Übels der Handlung
bewusst ist und sie dennoch ausführt. Da sie nicht die Zwecke des
ehelichen Aktes, Gemeinschaft und Fruchtbarkeit, erfüllt, ist
Masturbation ein schwerwiegend ungeordneter und sündhafter Akt
(Quelle 11).
Pater Farraher stellt auch klar, dass sexuelle
Stimulation bei einem verheirateten Ehepaar moralisch erlaubt ist,
wenn es zu einem natürlichen vaginalen Geschlechtsverkehr führt oder
den ehelichen Akt abschliesst (Quelle 2). Farraher ist in der
Klarstellung dessen, was ein schwerwiegendes Übel in Masturbation
darstellt, sehr genau, wenn er schreibt: "Damit eine Person formell
der Todsünde der Masturbation schuldig wird, muss ihre Handlung eine
vollumfänglich freigewählte Entscheidung zu einer Tat sein, deren
schwer sündhaften Charakters sie sich bewusst ist" (Quelle 13). Wenn
so ein Akt mit nur teilweiser Einsicht oder nur teilweisem freien
Willen geschieht, ist er eine lässliche Sünde. Und "wenn keine freie
Willensentscheidung zugrundeliegt, resultiert überhaupt keine
sündhafte Schuld, sogar wenn die Person sich darüber bewusst ist,
was sie macht" (Quelle 4). Farraher zeigt weiter auf, dass sogar
dann keine Sünde vorliegt, wenn eine Person vorhersieht, dass
sexuelle Erregung und Orgasmus aus einer von der Person freiwillig
ausgeführten Handlung resultieren werden, solange sie diese Erregung
nicht beabsichtigt sondern sie lediglich zulässt, und die Person
einen ausreichend guten Grund hat, die Handlung auszuführen (dies
ist einfach eine Anwendung des Prinzips der zweifachen Wirkung
(principle of twofold effect; Quelle 5).
Farraher korrigiert das Missverständnis vieler
Katholiken, dass das Erleben von sexueller Erregung, auch wenn sie
gegen den eigenen Willen geschieht, gleichbedeutend mit dem Begehen
einer Todsünde wäre (Quelle 16). In der heutigen Generation denke
ich jedoch, dass nicht viele an derartigen Schuldgefühlen leiden.
Wenn sie sich überhaupt hierzu Gedanken machen, so sind viele
überrascht zu hören, dass Masturbation sündhaft ist. Es ist daher
notwendig, den Gläubigen die sorgfältigen Unterscheidungen von Pater
Farraher zu lehren, damit sowohl eine unnötige Gewissensbeklemmung
als auch eine irreführende Freizügigkeit vermieden werden.
Genau wie in der Frage der Empfängnisverhütung,
so sieht man auch in der Frage der Masturbation eine Abwendung von
offiziellen Kirchenlehren im Jahre 1955, als Pater Charles Curran
argumentierte, dass jeder Akt von Masturbation nicht
notwendigerweise immer eine "immer und zwangsläufig schwerwiegende"
Unordnung darstelle (Quelle 17). In ihrem Kommentar zu Currans
Haltung bewerten die Autoren von Human Sexuality diese als
signifikanten theologischen Durchbruch. Die Position behauptet
nicht, dass Masturbation nicht sündhaft sei, oder dass Masturbation
nicht schwere Sünde beinhalten könne. Pater Curran stellt lediglich
fest, dass "nicht jeder ausdrücklich willentlich durchgeführte Akt
von Masturbation notwendigerweise eine schwere Verfehlung darstellt,
wie sie die Voraussetzung für das Vorliegen einer Todsünde
darstellt" (Quelle 18). Currans Position, und auch die der Autoren
von Human Sexuality, steht jedoch direkt im Widerspruch zu den
Lehren der vatikanischen Deklaration zur Sexualethik, auf welche ich
bereits hingewiesen habe. Die vatikanische Glaubenskongregation
bekräftigt somit die konstante Lehre der Kirche über die objektiv
schwerwiegende Unmoralität der Masturbation und bezeichnet
Masturbation als "einen in sich schwerwiegend ungeordneten Akt"
(Quelle 9).
Die Argumente zugunsten der Position der Kirche,
und die Antworten von katholischen Moraltheologen auf die grössten
Einwände gegen diese Lehre, sind in der
katholischen Sexualethik
zusammengefasst. Ich möchte im Folgenden einige Punkte aus ihren
Argumenten herausgreifen und hier isoliert anführen.
(1) Obwohl einige Bibelstellen, die als
Grundlagen für eine Verurteilung von Masturbation angeführt werden,
auch eine andere Interpretation haben könnten (Gen.
38:8-10; 1. Kor 6:9; Röm. 1:24), beinhaltet die Heilige Schrift
zweifelsfrei eine Verurteilung des unverantwortlichen Gebrauchs von
Sexualität, und dies trifft sicherlich auf Masturbation zu. Die
vatikanische Deklaration betont, dass auch im Falle, dass die
Heilige Schrift diese Sünde nicht namentlich verurteilt, "die
Tradition der Kirche sie zurecht als im Neuen Testament verurteilte
Sünde erkannt hat, wenn dieses von 'Unreinheit', 'Unkeuschheit' und
anderen Lastern gegen Keuschheit und Mässigkeit schreibt" (Quelle
21).
(2) Die Autoren der katholischen Sexualethik
kontern gut den Einwand, dass die Verurteilung von Masturbation eine
Form von Manichäismus und Stoizismus sei. Sie zeigen, dass genau das
Gegenteil der Fall ist: diejenigen, welche Masturbation akzeptieren,
können ihre Körper und sexuellen Aktivitäten nicht konsistent als
integrale Teile ihres eigenen Selbst betrachten, da diese Akte nicht
die grundlegenden menschlichen Güter von gegenseitiger Selbsthingabe
und Fortpflanzung beinhalten. Derartige Akte benutzen den Körper als
Instrument der Lust und sind in Wirklichkeit Ausdruck von Dualismus,
was in diesem Zusammenhang bedeutet, dass der Körper ein Ding für
die Vergnügung der Seele wird (Quelle 22).
Wiederum ist anzumerken, dass diese Lehre der
Kirche nicht auf den stoischen Voraussetzungen basiert, wonach der
einzige Zweck des Geschlechtsverkehrs die Fortpflanzung sei. Das
Lehrschreiben Gaudium et Spes,
Abschnitte 47-52, sowie die Enzyklika
Humanae Vitae (Quelle 23)
stellen ganz klar dar, dass Geschlechtsverkehr in der Ehe auch
andere Zwecke hat, darunter auch den Ausdruck gegenseitiger Liebe.
Im Gegensatz hierzu dient Masturbation keinem der grossartigen Güter
der Ehe und bleibt ein isolierter Einzelakt.
Die katholische Sexualethik geht auch auf den
Einwand ein, dass Masturbation unter gewissen Umständen, wie
beispielsweise Masturbation bei Heranwachsenden, keine
schwerwiegende moralische Verwirrung sei. Die Antwort hierauf ist,
dass die Kirche immer schon anerkannt hat, dass die Umstände die
Beurteilung eines konkreten Falles verändern können und dass es
verschiedene Abstufungen an persönlicher Verantwortung in den
verschiedenen Arten von Masturbation gibt. Aber die Kirche lehrt,
dass der Akt der Masturbation OBJEKTIV IN SCHWEREM GRAD FALSCH ist.
Zu Recht unterscheidet sie zwischen der objektiven Schwere des
Masturbationsakts und der persönlichen Verantwortung des Handelnden.
Diese wichtige Unterscheidung, die Pater Farraher ausarbeitet,
erlaubt uns die traditionelle Position in dieser Frage einzunehmen,
während wir Zugeständnisse für eine Vielzahl von mildernden
Umständen gewähren können, welche die persönliche Schuld des
Masturbierenden verringern können, vorausgesetzt dieser ist willens,
alles nötige zu unternehmen, um die schlechte Gewohnheit oder, in
einigen Fällen, den Zwang zu überwinden.
In meiner siebenundvierzigjährigen
Pastoralerfahrung habe ich bis heute nicht einen Beichtenden
getroffen, der die Gewohnheit der Masturbation nicht loshaben wollte
oder der freiwillig weiter masturbiert. Wahrscheinlich kommen jene,
welche die Gewohnheit freiwillig weiterbetreiben entweder nicht zur
Beichte oder sie beichten diese Sünde nicht, weil sie wie durch eine
Gehirnwäsche zur Ansicht gebracht wurden, dass Masturbation nicht
sündhaft sei oder höchstens eine lässliche Sünde sei, welche man
nicht zu beichten brauche.
Die Autoren der katholischen Sexualethik gehen
auch auf das Argument von Charles Curran ein, dass ein einzelner
Masturbationsakt nicht schwerwiegend falsch sein könne sondern nur
eine fortdauernde Masturbationspraktik ein schwerwiegend sündhaftes
Verhalten darstellen könne. Der Trugschluss in diesem Argument ist,
dass es verkennt, dass das Hauptaugenmerk von Verantwortung auf
unter freiem Willen gewählten Handlungen liegt und nicht auf
Verhaltensmustern, die sich aus einer Serie von Akten freien Willens
ergeben. Unsere moralische Persönlichkeit, oder unser Charakter,
wird durch solche Akte geformt und wenn eine Veränderung stattfinden
soll, beginnt diese mit einer freiwillig entschiedenen Handlung.
Dies lehrt der Heilige Augustinus in seinen Bekenntnissen (Quelle
24).
In der Praxis sind Autoren, welche den Standpunkt
vertreten, dass Masturbation nichts schwerwiegend Schlechtes sei,
von den Ergebnissen statistischer Studien beeindruckt, welche
zeigen, dass die Mehrheit männlicher Jugendlicher und ein grosser
Prozentsatz weiblicher Jugendlicher masturbieren. Diese
statistischen Studien gehen jedoch nicht darauf ein, wie häufig
Masturbation betrieben wird oder in welchem Gewissenszustand sich
der Masturbierende befindet. Sie gehen schliesslich auch nicht auf
das neue Phänomen von geistlichen Hilfegruppen zur Überwindung
sexueller Süchte ein, wie zum Beispiel Sexaholics Anonymous (Quelle
25) oder Sex and Love Addicts Anonymous (Quelle 26). Beide Gruppen
behandeln zwanghafte Masturbation als sexuelle Sucht, welche
mithilfe der auf sexuelle Probleme angepassten Zwölf Schritte aus
dem Selbsthilfevorgehen von anonymen Alkoholikergruppen überwunden
werden kann.
Man kann gegen Currans These auch von einem
pastoralen Standpunkt aus argumentieren. In der Praxis hat man es
nicht mit Leuten zu tun, welche in einen einzelnen Masturbationsakt
verstrickt sind. Egal welches Alter die Personen haben, geht es
immer um wiederholte Akte, oder eine Gewohnheit, oder einen Zwang.
Die Thesis von Curran berücksichtigt auch nicht, dass ein
freiwilliger Akt von Unreinheit zur Wiederholung tendiert und somit
zur Herausbildung einer schlechten Gewohnheit führen kann, welche
sich mit der Zeit sogar zu einem sexuellen Zwang entwickeln kann -
also zu einem Muster sexuellen Verhaltens, über das die Person trotz
ihrer Anstrengungen keine wirkliche Kontrolle mehr hat. Die
moralische Frage ist, ob man dafür verantwortlich gemacht werden
kann, dass man wissentlich den ersten Schritt in Richtung einer
schlechten Angewohnheit unternommen hat. Sind wir nicht ernsthaft
dazu verpflichtet, den Beginn einer solchen Gewohnheit zu vermeiden?
Anders gefragt - wenn ein einzelner Akt willentlicher Masturbation
keine schwere Verletzung der Moralordnung darstellt, was hält eine
Person dann davon ab, in eine schlechte Gewohnheit abzugleiten? Sehr
wahrscheinlich wird sie nicht versuchen, den Akt zu vermeiden und
sie wird leicht in eine Gewohnheit verfallen, die unter gewissen
Umständen sogar zwanghaft werden kann. Dies sind pastorale Fragen,
mit welchen Curran seine Argumente nicht konfrontiert.
Auf der pastoralen Ebene muss man den
gewohnheitsmässig Masturbierenden vom zwanghaft Masturbierenden
unterscheiden. Per Definition hat der gewohnheitsmässig
Masturbierende immer noch die Kontrolle über sein Verhalten, enthält
sich dessen für lange Zeitperioden und fällt nur für kurze
Zeitintervalle in sein altes Verhalten zurück. Er mag Masturbation
als Ersatz für Geschlechtsverkehr benutzen, weil keine Frauen
verfügbar sind (z.B. im Gefängnis) oder weil er geschieden ist, noch
nie verheiratet war oder Angst vor AIDS hat. Er ist jedoch fähig,
seine Gewohnheit jederzeit zu stoppen, wenn er dazu motiviert ist,
und ist dies gewöhnlich aus religiösen Gründen. Die meisten der
obengenannten Gründe treffen auch auf Frauen zu, die der Gewohnheit
des Masturbierens verfallen. Einsamkeit und Depression sind
kraftvolle Faktoren, die in Männern und Frauen wirken. In einigen
Fällen überschreiten die Personen jedoch die Trennlinie zwischen
Gewohnheit und Zwang. Sie stellen plötzlich fest, sehr häufig zu
masturbieren, und dies trotz Anwendung der üblichen Hilfsmittel zur
Vermeidung von Masturbation. In diesen Fällen haben wir es höchst
wahrscheinlich mit sexueller Sucht zu tun.
Pastorale Berater und Beichtväter sind mit
Personen vertraut, die täglich masturbieren, obwohl sie den Wunsch
habe, von diesem Zwang loszukommen. Diese Individuen leben mit
Schuld und Scham. Sie sind nicht damit zufrieden, wenn ihr Berater
versucht, sie mit der Bemerkung zu trösten, dass sie sich keiner
schweren Sünde schuldig machen, da sie keine Kontrolle über ihr
Masturbieren haben. Sie wollen wissen, was sie machen können, um
wieder die Kontrolle über ihre sexuellen Impulse zu erhalten. Das
erste, was ein Berater hier tun kann, ist es, die sexuelle Sucht zu
studieren und zu lernen, was genau getan werden kann, um dem
zwanghaft Masturbierenden zu helfen.
Sexuelle Sucht kann als Pseudo-Beziehung zu einer
bewusstseinsverändernden sexuellen Erfahrung mit
selbstzerstörerischen Auswirkungen definiert werden, welche in
einigen Fällen auch zerstörerisch auf andere wirkt (Quelle 27). In
den Worten von Patrick Carnes "ersetzt der Süchtige eine gesunde
Beziehung mit anderen durch eine kranke Beziehung zu einem Ereignis
oder einem Prozess. Die Beziehung des Süchtigen mit einer
bewusstseinsverändernden 'Erfahrung' nimmt einen zentralen Platz in
seinem Leben ein" (Quelle 28).
Carnes betont die wahre Tatsache, dass die
Allgemeinheit oft dazu neigt, eine sexuelle Sucht mit angenehmer
oder häufiger sexueller Aktivität zu verwechseln. Der Unterschied
hierzu ist, dass gewöhnliche Menschen lernen können, ihr sexuelles
Verhalten zu mässigen, während der Süchtige dies nicht kann. Er hat
seine Fähigkeit "nein" zu sagen verloren, weil sein Verhalten Teil
eines zyklischen Denkens, Fühlens und Handelns ist, das er nicht
kontrollieren kann. Anstatt Geschlechtsverkehr als
selbst-bestärkende Quelle von Lust in einer Ehe zu geniessen,
benutzt der Sexsüchtige sexuelle Aktivität als Abhilfe gegen Schmerz
oder Stress, ähnlich der Art wie ein Alkoholiker von Alkohol abhängt.
Er leidet an einer zwanghaften Krankheit, die der Liebe
entgegengerichtet ist und Geschlechtsverkehr in ein Grundbedürfnis
verwandelt, für das alles andere geopfert werden kann, inklusive
Familie, Freunde, Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsstelle (Quelle
29).
Ohne hier jetzt alle Entwicklungsstufen einer
Sucht vorzustellen, wie dies Carnes und Anne Wilson Shaef in ihren
Büchern durchführen, genügt es zu sagen, dass es aus verschiedenen
Gründen Hoffnung für den zwanghaften Masturbierer gibt. Zum einen
kann er zur Einsicht gelangen, dass er keine schlechte Person ist,
sondern jemand, der an einer Krankheit leidet, welche behandelt und
überwunden werden kann. Solange er sich selbst hasste und sich als
wertlos empfand (Scham), glaubte er hoffnungslos zu sein
(Verzweiflung). Zum anderen kann er mit der Hilfe eines geistlichen
Direktors und Therapeuten entdecken, dass er seine Sucht überwinden
kann. Es wird der Einübung der Zwölf Schritte durch Teilnahme in
Selbsthilfegruppentreffen bedürfen. In dieser Hinsicht kann er
unschätzbare Hilfe bei Treffen von Sexaholics Anonymous (S.A.) und
Sex and Love Addicts Anonymous (S.L.A.A.) finden.
Wenn ich hier betone, dass es Hoffnung für
zwanghaft Masturbierende gibt, spreche ich nicht aufgrund von
angelesenem Wissen sondern durch die Erfahrung von Menschen, welche
ich zu S.A. und S.L.A.A. geschickt habe und durch meine Arbeit mit
Mitgliedern von Courage in der Stadt New York. Courage ist eine
geistliche Selbsthilfegruppe für katholische homosexuelle Menschen,
die ihr Leben in Keuschheit leben möchten. Verbesserungen in der
Praxis der Keuschheit treten nicht über Nacht ein. Sie sind ein
gradueller Prozess, manchmal mit schmerzhaften Rückfällen. Es bedarf
regelmässiger Beratung mit einem spirituellen Direktor, das im Herz
gefühlte Eingeständnis der persönlichen Machtlosigkeit,
gewissenhafte Teilnahme an Gruppentreffen, äusserste Ehrlichkeit
darin, über sich selbst zu sprechen, und die tägliche Praxis von
Meditation und tiefem Gebet. Dies bringt mich zu einer wichtigen
Unterscheidung, welche der spirituelle Direktor bei seiner Beratung
des zwanghaft Masturbierenden treffen sollte, weil sie diesem dabei
helfen wird anzufangen, sich selbst richtig zu lieben.
Der Süchtige muss zwischen der Verantwortung für
sein vergangenes Verhalten und seiner Verantwortung für seine
gegenwärtigen und zukünftigen Handlungen unterscheiden. Es ist
jedoch praktisch unmöglich eine korrekte moralische Einschätzung des
vergangenen Verhaltens des Süchtigen zu treffen. Wir haben keine
Möglichkeit, die Arten und Ausmasse von zwanghaftem sexuellen oder
anderem zwanghaften Verhalten zu kategorisieren. Jeder zwanghaft
Masturbierende entstammt einem Umfeld mit unterschiedlich
zusammenspielenden Lebensumständen und weist verschiedene Muster von
Charakterzügen auf. Wie Rudolph Allers, wohl unter Zustimmung
anderer Autoren, vor Jahren schrieb, "können wir nichts über die
Natur der behaupteten unwiderstehbaren Impulse in Erfahrung bringen,
wenn wir nicht alles wissen, was wir über die ganze Persönlichkeit
herausfinden können" (Quelle 30).
Wie bei anderen Formen von Sucht, beginnt
zwanghafte Masturbation in der Phantasie, und die Phantasie füllt
den Kopf derart machtvoll aus, dass andere Gedanken und
widerstrebende Motive keine wirkliche Chance haben, die Person von
den lustbringenden Bildern abzulenken, die zur Masturbation führen.
Das Bewusstsein wird auf eine Idee, ein Bild eingeengt. Dies ist
Zwang im vollsten Sinne des Wortes.
Es gibt eine andere Form des Zwangs, in welcher
man sich im Objekt der Begierde vertieft und das Gefühl hat, man
müsse dem Impuls nachgeben, um physische Erleichterung zu erhalten,
oder man müsse anderenfalls grosse Schmerzen erleiden. In diesem
Fall ist der Betroffene sich bewusst, dass er widerstehen kann und
eine andere Wahlmöglichkeit hat. Es gibt eine kleine
Handlungsfreiheit, diese ist jedoch kaum gross genug, um ein
ernsthaftes Verschulden zu begründen. Dies trifft umso mehr zu, wenn
Menschen gegen diese Impulse ankämpfen während sie am Abend
versuchen einzuschlafen oder wenn sie mitten in der Nacht oder beim
Aufwachen am Morgen von der Versuchung zu masturbieren heimgesucht
werden. Farraher kommentiert in grosser Länge diese und ähnliche
Situationen, in welchen eine Person, die der Versuchung zur
Masturbation während des Tages erfolgreich widerstanden hat,
manchmal plötzlich während des Einschlafens am Abend oder beim
Aufwachen am Morgen von sexuellen Phantasien überwältigt wird.
Solange die Person sich echt darum bemüht, ihre Gedanken abzulenken,
begeht sie sogar dann keine Sünde, wenn ein Orgasmus geschieht. Wenn
sie unsicher ist, ob sie wirklich hart genug versucht hat von der
Phantasie loszukommen, darf sie den Zweifel zugunsten ihrer Unschuld
entscheiden. Gemäss den traditionellen Normen der Moraltheologie
kann man annehmen, dass ihre Absicht während des Tages auch im
Moment der nächtlichen Versuchung präsent war. Beichtväter und
geistliche Berater sollten schuldgequälte Personen, die sich deshalb
einer Sünde schuldig fühlen, weil sie zur Zeit des Orgasmus wach
waren, darin bekräftigen, dass sie insofern nicht gesündigt haben,
als von der Masturbation in diesem Falle davon ausgegangen werden
kann, dass sie unfreiwillig war. "Ihm zu sagen, dass er sogar
derartige unfreiwillige Erfahrungen vermeiden kann, wenn er es nur
hart genug versucht und übernatürliche Mittel hierzu benützt, kann
eine schwere Verängstigung und sogar Verzweiflung hervorrufen, da er
nicht dazu in der Lage sein könnte das zu vermeiden, was wirklich
unfreiwillig ist" (Quelle 31).
Als Beichtvater hat man manchmal mit Personen zu
tun, die Gott, ihrer Familie und ihrer Kirche sehr ergeben sind,
sich zur selben Zeit jedoch selbst erotischen Situationen aussetzen,
in denen sie grösste Mühe damit haben keusch zu bleiben. Man
begegnet ebenfalls Priestern, Ordensbrüdern und Nonnen, die von
sexuellen Phantasien verfolgt werden und sich gezwungen sehen diesen
nachzugeben. Wieder andere empfinden an Masturbation kein Vergnügen,
fühlen sich aber zum Masturbieren gezwungen. In all diesen
Situationen empfehle ich zwei Schritte: (1) Suchen Sie einen
professionellen Therapeuten, der die Lehre der Kirche bejaht, und
(2) gehen Sie regelmässig zu katholischen Selbsthilfegruppen, wo man
diese schmerzhaften Konflikte und zwanghaften Tendenzen diskutieren
kann. Es gibt noch eine weitere Situation, in welcher sich ein
zwanghaft Masturbierender finden kann. Ich möchte sie hier die
Theorie des Momentes der Wahrheit nennen. Sie ist auch auf
nicht-zwanghaft Masturbierende anwendbar.
Gemäss Allers entsteht ein sogenannter
unwiderstehlicher Impuls bereits bevor er vollständig entwickelt
ist. Die Person hat eine unbehagliche Vorahnung, dass etwas
geschehen wird. Sie ist in eine Form von Phantasie involviert, die
oft pornographische Literatur oder Videos beinhaltet. Sie erkennt,
dass sie die Phantasie oder die Pornographie loswerden sollte,
handelt aber nicht entsprechend. Vielleicht gibt es auf der
unbewussten Ebene einen Drang, in der Masturbation Befriedigung zu
finden, den die Person sich auf der bewussten Ebene nicht
eingesteht. Wiederum stellt Allers fest, dass die Person zu einem
gewissen Grad dafür verantwortlich ist, nicht von diesem Moment der
Wahrheit zu profitieren und stattdessen zuzulassen, vom sexuellen
Verlangen versklavt zu werden. "Diese Handlung mag daher zwar nicht
zu verantworten sein, sie ist trotzdem nicht entschuldbar, denn in
der Tat hat die Person der Herausbildung dieser Handlung vorher
zugestimmt" (Quelle 32).
Wenn der zwanghaft Masturbierende die Zwölf
Schritte praktiziert, erkennt er die latente Unehrlichkeit und das
Verlangen nach sexueller Befriedigung in seinen vorherigen
Bekundungen, die Handlung wirklich nicht gewollt zu haben. Teil des
Heilungsprozesses ist, ehrlicher in Bezug auf die eigene Motivation
zu werden. Das folgende Gedicht drückt dies aus:
von Portia Nelson
1. Ich gehe, die Strasse entlang.
Ein tiefes Loch lauert im Gehsteig. Ich falle
hinein.
Ich bin verloren... Ich bin hilflos. Es ist nicht
meine Schuld.
Es dauert ewig wieder den Weg nach draussen zu
finden.
2. Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Ein tiefes Loch lauert im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, wieder am selben Ort zu
sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Es dauert wieder lange bis ich mich befreie.
3. Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Ein tiefes Loch lauert im Gehsteig.
Ich falle immer noch hinein... es ist eine
Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiss, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich entkomme sofort.
4. Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Ein tiefes Loch lauert im Gehsteig.
Ich laufe um das Loch herum.
5. Ich laufe eine andere Strasse entlang.
Auf pastoraler Ebene ist es keine nützliche Hilfe
darüber zu spekulieren, wie gross die Verantwortung des
Masturbierenden für sein zwanghaftes Verhalten der Vergangenheit
war, es ist am besten ihm dabei zu helfen, ein geistliches Programm
aufzustellen. Die Frage ist, ob der Süchtige die bekannten Mittel
einsetzen wird, um sein Verhalten in der Zukunft unter Kontrolle zu
bringen. Es ist nun an der Zeit, die pastoralen Ansätze zum Problem
der Masturbation im Detail zu durchleuchten.
Zunächst die falschen Ansätze: Der ganz offen
irreführende Ansatz ist die Ansicht, wonach Jugendliche aus dem
Problem herauswachsen werden. Viele tun dies nicht. Ein anderer
Mythos ist, dass wer Masturbation praktiziert daher mit einer
weniger grossen Wahrscheinlichkeit mit einer anderen Person des
gleichen oder anderen Geschlechts Geschlechtsverkehr haben wird.
Dies mag in einigen Fällen wahr sein, aber gemäss der Erfahrung
anderer hat sie die Masturbation gerade auf das Ausleben ihres
Geschlechtstriebes im Geschlechtsverkehr vorbereitet. In einigen
Situationen wurde Masturbation zur Linderung von körperlichen
Spannungen gleichsam als Form von Sexualtherapie empfohlen. Andere
Therapeuten benutzen Masturbation wie eine sexuelle Abreaktion, was
angeblich ein therapeutischer Weg zum Abbau von traumatischen
Sexualerfahrungen in der Kindheit sein soll (dieser Ansatz wird von
anerkannten Therapeuten nicht mehr angewandt). Gegenseitige
Masturbation wurde von Homosexuellen als "sicherer Sex" angewandt.
Wieder andere Berater versuchen das Problem mit dem Ratschlag zu
minimieren, sich um dieses Thema einfach keine Sorgen zu machen. In
der Tat betrachten viele Priester, Seminaristen und Religionslehrer
in unseren katholischen Schulen sogar die Gewohnheit der
Masturbation als nicht zu behandelndes Thema oder bestenfalls
vielleicht als rein psychologisches Problem. Und so breitet sich
dieses weiter aus.
Es gibt aber auch sinnvolle Ansätze: es scheint
nämlich, dass die korrekte Einstellung dem Problem gegenüber ist,
gewohnheitsmässige und zwanghafte Masturbation als lösbare Probleme
zu betrachten, sofern der Betroffene einem spirituellen Programm
folgt. Er muss für seine Zukunft Verantwortung übernehmen. Je freier
er von dieser Verwirrung wird, desto verantwortlicher wird er auch
für seine Zukunft. Dieser Zusammenhang wird klarer, wenn ich im
Folgenden einige typische Situationen aus verschiedenen
Lebensumständen beschreibe. Ich werde mit Jugendlichen beginnen und
auf Masturbation im Kindesalter später eingehen.
Jugendliche: Da
Jugendliche von den Medien konstant mit sexuellen Stimuli
bombardiert werden, da Eltern und Lehrer ihnen oft keine moralischen
Leitlinien vorgeben und da sich schliesslich sogar die Priester und
Ordensleute nicht zu diesem Thema äussern, erstaunt es nicht, dass
Jugendliche über die Moralität von Masturbation nicht bescheid
wissen. Einige von ihnen wurden schon zu Sklaven der Masturbation
bevor sie sich voll darüber bewusst wurden, dass diese moralisch
schlecht ist. Ich benutze den Begriff "voll", da trotz aller
Gehirnwäsche in unserer Kultur viele Jugendliche das unangenehme
Gefühl haben, dass Masturbation verkehrt ist (Quelle 33).
Gleichzeitig fühlen sie sich hilflos der
Unfähigkeit ausgesetzt, eine bereits existierende Gewohnheit unter
Kontrolle zu bringen. In ihrer Scham und Schuld vermeiden sie es,
dieses Thema mit Beratern zu diskutieren - zuallerletzt mit
Priestern, die als Autoritätspersonen angesehen werden. In dieser
Selbstunsicherheit und verwirrt durch die von der Sexkultur und
manchmal von ihrer eigenen Familie angebotenen Werte, ziehen sich
diese Jugendlichen bereitwillig in ihre Phantasiewelt aus Sex-Romantik
und Vergnügen zurück.
Oft fürchten sie sich vor echten Beziehungen mit
Menschen des anderen Geschlechts und bleiben daher im Phantasieland
der Masturbation. Wenn man zu diesem moralischen Chaos nun noch vage
und irreführende Lehrmeinungen zu Masturbation im
Religionsunterricht einiger katholischer Schulen hinzufügt, kann man
gut verstehen, warum unsere jungen Leute heute Masturbation nicht
einmal mehr als moralisches Problem im Beichtstuhl erwähnen. Dies
ist umso mehr ein Grund für Priester, Jugendlichen, welche diese
Frage stellen, ernsthaft zu antworten.
Wir müssen ihnen die angemessene geistliche
Richtung geben, indem wir ihren Wunsch nach Keuschheit anerkennen
und ihnen ganz konkrete Hilfestellungen zu diesem Thema anbieten,
wie dies Pater Benedict Groeschel in seinem englischsprachigen Buch
The Courage to Be Chaste
macht.
Vielleicht erkennen wir gar nicht die riesige
angestaute Schuld in diesen Jugendlichen mit Masturbationsgewohnheit.
Sie merken, dass etwas in ihrem Tun falsch ist, obwohl ihnen gesagt
wird, sich darum keine Gedanken zu machen, oder dass sie nichts
dagegen machen könnten, oder dass sie da herauswachsen würden. Sie
benötigen eine konkrete Anleitung und Hilfestellung aber sie werden
letztere nicht erhalten bevor sie über die Moralität der
Masturbation und die psychologischen Faktoren, welche sie in der
Ausübung ihres freien Willens behindern, aufgeklärt werden. Es ist
meine feste Überzeugung, und auch die vieler anderer Beichtväter,
dass viele jugendlichen Jungen heute nicht zur sonntäglichen
Heiligen Kommunion gehen, weil sie merken, die Gewohnheit der
Masturbation nicht abstossen zu können.
Junge Erwachsene: Gemäss
dem Mythos sind diese jungen Leute aus der Gewohnheit der
Masturbation herausgewachsen. Seit Heiraten in die mittleren und
späten Zwanzigerjahre des Lebens verschoben wird, seit Verlobungen
über mehrere Jahre andauern und mit konstanter Erregung durch die
Brautschau-Situation, die Medien und anzügliche Werbung einhergehen,
ist es nicht verwunderlich, dass viele Männer und Frauen auf Petting
zur Erzeugung von Orgasmen verfallen. Unter Petting versteht man
gegenseitige Masturbation wie beispielsweise oralen Sex. Individuen,
welche sich auf diese Weise betätigen, betrachten sich selbst immer
noch als jungfräulich, da sie keinen vaginalen Geschlechtsverkehr
hatten. Sie werden "technisch jungfräulich" bezeichnet, da sie die
Tugend der Reinheit wiedererlernen müssen.
Andere Singles leben in ihrer Phantasie, wenn sie
nicht in der Arbeit sind. Sie sind aus verschiedenen Gründen mit
niemandem des anderen Geschlechts ernsthaft befreundet, sind
unschlüssig, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, haben keine
Verpflichtungen gegenüber einem Ehepartner oder Kindern und flüchten
sich häufig in verschiedene Formen der Phantasie wie romantische
Romane, Erotikzeitschriften, Erotikfilme oder nächtliche Barbesuche
am Wochenende. Sie sind mit vielen Bekanntschaften sehr beschäftigt
und gleichzeitig sehr einsam. Ihr Hang zur Masturbation
überschreitet oft die Linie zum genitalen Geschlechtsverkehr wann
immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Kurzgefasst, sie haben Sex
zu ihrem Idol gemacht. Wenn man als ihr Ratgeber sie auf ihre
Einsamkeit aufmerksam machen würde, würden sie diese abstreiten und
auf ihre zahlreichen "Freunde" verweisen. Sie geniessen das
Vergnügen der sexuellen Aktivität ohne die dazugehörige
Verantwortung.
Es ist sehr schwierig diese Gruppe zu erreichen,
sie kommt meist nur zu Weihnachten und Ostern in die Kirche, um
ihren Familien einen Gefallen zu tun. Es kann geschehen, dass sie in
ihren Dreissigerjahren die Einsicht gewinnen, dass der Sinn des
Lebens aus mehr besteht als aus Sex, und sie dann geistliche
Beratung suchen. In ihrem Fall ist die sexuelle Aktivität nicht so
sehr das Problem, denn sie ist nur ein Symptom ihrer tiefen
geistlichen Leere.
Ältere erwachsene Singles:
Meiner Erfahrung nach beginnen Christen über die Bedeutung ihres
persönlichen Lebens nachzudenken, wenn sie in ihre späten
Dreissigerjahre kommen ohne eine Berufung in ihrem Leben gewählt zu
haben, wie zum Beispiel Heirat, das Ordensleben, Priestertum oder
das Leben als Single im Dienste Christi in der Welt. Oft sind sie so
in ihre Karriere vertieft, dass sie die quälenden Gedanken über
ihren christlichen Auftrag leicht unterdrücken können. Das sexuelle
Verlangen bleibt jedoch so stark wie immer, wird sogar noch
ausgeprägter, und die Personen verbringen mehr Zeit in einer
Phantasiewelt, wobei die Phantasie selbst zwanghaft wird und zu
häufiger, wenn nicht sogar täglicher, Masturbation führt.
Dies, wiederum, führt zu starken Scham- und
Schuldgefühlen. Wenn der Betroffene für dieses Problem keine
geistliche Beratung einholt, oder wenn er trotz Suche keine findet,
wird er seine Last in die mittleren und späten Lebensjahre
weitertragen. Es kann sein, dass er in jedem anderen Lebensbereich
sehr erfolgreich ist und sich dennoch mit seiner geheimen Sünde
verzweifelt fühlt. Es scheint niemanden zu geben, mit dem er in der
Hoffnung, das Problem zu lösen, reden könnte: die geistlichen
Berater, welche er aufsuchte, haben ihm keinen angemessenen Weg
aufgezeigt, mit dem Problem fertig zu werden. Er mag vielleicht
sogar den Rat erhalten haben Masturbation nicht in der Beichte zu
erwähnen, da man über sie keine wirkliche Kontrolle habe. Welche
möglichen Auswege kann ein geistlicher Berater hier aufzeigen?
Ich glaube, dass sich die folgenden Leitlinien
als hilfreich erwiesen haben:
(1) Helfen Sie dem Betroffenen, über den Sinn
seines Lebens nachzudenken, über seine Hoffnungen, seine Erfolge,
Misserfolge, alles Frustrierende und seine Einsamkeit. Versuchen Sie
herauszufinden, was ihn innerlich auffrisst, denn Masturbation ist
oft ein Symptom für Ruhelosigkeit in der Seele und dieses gilt es
zuerst anzugehen.
(2) Wenn er orientierungslos dahindriftet, bieten
Sie ihm einen geistlichen Lebensplan an wie denjenigen, welchen ich
für homosexuelle Menschen geschrieben habe:
A Spiritual Plan to Redirect One's
Life (englische Publikation im Verlag Daughters of St.
Paul).
(3) Machen Sie ihm klar, dass die meisten
Menschen die Tendenz dazu haben, in angenehme Phantasiewelten
abzudriften, wenn die Realität hart und trostlos erscheint und
Masturbation oft lediglich aus sexuellen Phantasien entsteht. Die
geistliche Strategie ist, zu lernen, wie man sich selbst von
sexuellen Phantasien wieder in die Realität zurückbringt, sobald man
das Abdriften in sexuelle Phantasien bemerkt. Eine Technik hierbei,
die bei einigen Personen erfolgreich wirkt, ist das Beten eines
kurzen Gebetes gefolgt von physischer Arbeit im Freien, wie zum
Beispiel Arbeit im Garten, ein Spaziergang etc. Haben Sie sich schon
einmal in Phantasien von Zorn, Eifersucht oder Sex befunden und
erlebt, wie die ganze Phantasie plötzlich verschwindet, wenn das
Telefon klingelt und man abnimmt? Die Kunst, welche es zu lernen
gilt, ist es, in der Realität zu verbleiben.
(4) Teilen Sie Ihre Schwierigkeiten einem
geistlichen Begleiter mit und versuchen Sie zusätzlich eine
geistliche Selbsthilfegruppe wie Sexaholics Anonymous (S.A.) zu
finden. Zwanghafte und gewohnheitsmässige Masturbierer konnten auf
diesen Treffen echte Freundschaften schliessen. Die Pflege echter
Freundschaften mit echten Menschen reduziert die Macht sexueller
Phantasien ganz beträchtlich, während sie das eigene
Selbstwertbewusstsein stärkt.
Es gibt viele Faktoren, welche zur Anwendung von
Masturbationspraktiken bei Verheirateten führen. Einige Personen
bringen vor der Ehe geformte Gewohnheiten in die Ehe mit, andere
masturbieren, wenn sie nicht mit ihrem Ehepartner zusammensein
können oder wenn Geschlechtsverkehr wegen Krankheit nicht angeraten
ist oder sie merken, dass ihr Partner nicht mit ihnen verkehren
möchte. Manchmal benutzen Ehepaare Masturbation als Form der
Empfängnisverhütung. Oraler Sex, Analsex und gegenseitiges Berühren
der Geschlechtsorgane, bis der Punkt des Orgasmus erreicht wird,
dies alles hat in vielen Ehen den Platz von vaginalem
Geschlechtsverkehr eingenommen (Quelle: 35). Manchmal wendet ein
Ehemann Masturbation an, weil er befürchtet, zu einem vaginalen
Geschlechtsverkehr nicht fähig zu sein. Der pastorale Ansatz muss
hier auf eine Vielzahl unterschiedlicher Situationen abgestimmt
werden.
Wenn jemand die Gewohnheit der Masturbation in
die Ehe mitgebracht hat, muss man die Geschichte der Person
verstehen, um ihm oder ihr beim Loswerden der Gewohnheit wirksam
helfen zu können. Wo aber die Gewohnheit der Masturbation mit der
Beziehung zwischen den Eheleuten zusammenhängt, sollte der
geistliche Begleiter den Eheleuten bei der Lösung ihrer
Beziehungsprobleme helfen und, wenn nötig, sie zu einem
professionellen Eheberater schicken. Manchmal verfällt ein vom
anderen Ehepartner total vernachlässigter Ehepartner aus reiner
Einsamkeit der Masturbationsgewohnheit. So schwer diese Situation
sein mag, kann der Betroffene lernen, sein sexuelles Verlangen in
tugendhafter Aufopferung für seine Kinder und den nachlässigen
Ehepartner aufzulösen.
Oft werden Männer mittleren Alters von ihrer
Arbeit so vereinnahmt, dass ihnen gar nicht bewusst ist, ihre
Ehefrau vernachlässigt zu haben, und dass diese in ihrer Einsamkeit
in Versuchung gerät, in Masturbation oder Ehebruch abzugleiten.
Manchmal haben diese Männer Angst, ihre Ehefrauen beim
Geschlechtsverkehr nicht mehr länger befriedigen zu können, und
flüchten sich daher in Arbeit und verschiedene soziale Aktivitäten.
In der heutigen Zeit sind darüber hinaus viele verheiratete Frauen
so in ihren eigenen Karrieren vertieft, dass sie sehr wenig
Qualitätszeit für ihre Ehemänner und Kinder haben. Sie machen es
damit wahrscheinlicher, dass ihre Ehemänner sexuelle Befriedigung in
Ehebruch oder Masturbation suchen.
In früherer Zeit wachten die geistlichen
Begleiter von Seminaristen, meist waren dies Ordensleute oder
Diözesanpriester, aufmerksam auf die geistliche Fitness ihrer
Schützlinge. Masturbation wurde als ernsthaftes Problem angesehen,
das zunächst überwunden werden musste, bevor man die Priesterweihe
oder Diakonsweihe empfangen durfte. Es wurde empfohlen, dass alle
Kandidaten seit mindestens einem Jahr vor der Weihe die Gewohnheit
der Masturbation abgelegt haben sollten. Falls die Masturbation
unfreiwillig geworden war, sollte der Betroffene eine professionelle
Therapie besuchen, da niemand das zölibatäre Leben mit der Last der
Schuld und Scham beginnen sollte, welche mit einer solchen Schwäche
einhergeht (Quelle 37). Seminaristen wurden darüber informiert, dass
sie eine Verpflichtung dazu haben einen ständigen geistlichen
Begleiter zu wählen anstatt von einem Beichtvater zum anderen zu
wechseln. In der heutigen Zeit wird das Sakrament der Beichte von
Ordensleuten und Priestern vernachlässigt. Man muss daher auf die
grosse Bedeutung eines ständigen Beichtvaters wiederholt hinweisen.
Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich
weiss, was geistliche Begleiter Seminaristen mit der Gewohnheit zur
Masturbation raten. Meine Vermutung aufgrund meiner zwölfjährigen
Erfahrung mit meinen Einkehrtagen für Priester und Ordensleute ist,
dass die Ratschläge von der Art Moraltheologie weichgespült wurden,
die Masturbation nicht als schwere moralische Verwirrung betrachtet.
Ein Grundtraining über die objektive Schwere des Masturbationsaktes
und die persönliche Verantwortung zur Überwindung der Masturbation
ist daher an aller erster Stelle notwendigerweise geboten. Da
Masturbation darüber hinaus auch zwanghaft werden kann, ist es
manchmal nötig, die Dynamik des sexuellen Zwanges zu erklären.
Unter den Autoren zum Thema Masturbation ist Donald
Goergen mit seinen Ansichten der bei Seminaristen und Ordensleuten
weiterhin einflussreichste. Goergen vertritt die Ansicht, dass
Masturbation nicht "von Natur aus unmoralisch (intrinsically
immoral)" ist (Quelle 38). Goergen glaubt ferner, dass Masturbation
für einige reif und ihrem Leben angepasst, für andere dagegen unreif
und unangepasst sein könne. Er glaubt, Masturbation bei Jugendlichen
und viele Formen der Masturbation bei Erwachsenen seien gesund und
in keiner Weise schädlich. Für zölibatär Lebende sei Masturbation
nicht unmoralisch oder sündhaft, würde aber eine Abweichung vom
Ideal bedeuten. Gemäss Goergen ist "Masturbation ein Element im
persönlichen Leben eines zölibatär Lebenden, das ein
geschlechtliches Bedürfnis aufzeigt aus welchem er herauswachsen
möchte - nicht, weil Geschlechtlichkeit überhaupt unangemessen wäre,
sondern weil es ihm in seinem zölibatären Leben nicht besonders
dient" (Quelle 39).
Trotz der Tatsache, dass Goergens Ansichten der
Lehre der Kirche über die Moralität der Masturbation und der
Bedeutung der geweihten Keuschheit (consecrated chastity)
widersprechen, haben sie seit ihrer Veröffentlichung viele
Seminaristen und Ordensleute beeinflusst. Ich werde später nochmals
auf Goergen eingehen. An dieser Stelle geht es mir um den
Seminaristen, der seine Gewohnheit der Masturbation überwinden
möchte.
Dieselben Grundsätze, welche ich oben für Singles
entwickelt habe, können auch auf Seminaristen angewandt werden - mit
einer Ausnahme. Der Seminarist hat sich auf ein zölibatäres Leben
verpflichtet, der Laie kann eine Ehe anstreben. Der Seminarist mag
fürchten, dass er für ein zölibatäres Leben wegen seiner
gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht geeignet ist und überlegt sich
daher eventuell, das Seminar oder das Ordensleben zu verlassen.
Bevor er diese Entscheidung trifft, sollte er sich bewusst sein,
dass er den Rat eines klinischen Psychologen und des Seminarleiters
bedarf, und beiden sollte er die Erlaubnis erteilen, sich
miteinander über die Situation des Seminaristen zu beraten. Es ist
unklug, wenn der Seminarleiter oder der Psychologe isoliert
voneinander arbeiten, wie dies in der Vergangenheit so oft mit
tragischen Folgen geschah.
Es ist auch unklug, wenn der geistliche Leiter
eines Seminars oder das Ausbildungsteam eines Klosters keine klaren
Richtlinien aufgestellt haben, aus denen deutlich hervorgeht, dass
innere Keuschheit inklusive Freiheit von Masturbation die
Voraussetzung für die Ordination oder das Ablegen der ewigen
Ordensgelübde ist. Der geistliche Leiter eines Seminars sollte
sorgfältig auf die persönliche Geschichte besonders der Personen
blicken, die von zwanghaften Versuchungen zur Masturbation
heimgesucht werden. Die Versuchungen können eine Bedeutung jenseits
von gewöhnlicher Lust haben und es gibt keinen Weg, dies ohne eine
Art von Beratung herauszufinden. Manchmal werden Menschen von
erotischen Gedanken überwältigt, wenn sie sich ihrer Berufung nicht
sicher sind. Vielleicht muss die Motivation an der Wurzel ihrer
Berufung untersucht werden.
Jede Situation ist hierbei unterschiedlich. Falls
der Beichtvater, der Psychologe oder der Seminarist Zweifel haben,
ist eventuell ein Jahr Abwesenheit vom Priesterseminar und eine
zwischenzeitlich auszuübende Art von Pastoralarbeit förderlich. Am
Ende dieser Periode kann dann eine Neueinschätzung erfolgen. Es
sollte dabei bedacht werden, dass jede Art von Fortbildungsprogramm
eines Seminars oder Ordens nicht wirklich das tägliche Arbeitsleben
widerspiegelt. Es ist ein Leben in einer relativ geschützten
Umgebung, in welcher die Phantasie Überstunden leistet, wo
gewöhnliche Rückschläge des Lebens grösser als üblich erscheinen und
wo emotionale Schwierigkeiten mit Mitbrüdern eine fixe Idee werden
können. Unter solchen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass die
Einbildungskraft ausser Kontrolle geraten kann und sie sexuelle
Phantasien und Versuchungen zur Masturbation hervorrufen kann.
Zusammengefasst glaube ich, dass wir heute im
Bereich der Seminaristen und der Ausbildung männlicher Ordensleute
bessere Mittel zu unserer Verfügung haben, um gewohnheitsmässige und
zwanghafte Masturbation überwinden zu können. Wir haben den Wert
eines geistlichen Unterstützungssystems in der Anstrengung, keusch
zu leben, erkannt und haben gelernt, über die
Masturbationshandlungen hinaus auf ihre Ursachen zu blicken. Als
geistliche Begleiter sehen wir den ganzen Menschen. Auf der einen
Seite sollen wir eine Person, die über eine gewisse Zeit deutliche
Fortschritte in ihrer Überwindung von Versuchungen erzielt hat,
darin bestärken, ihre Versuche fortzusetzen und nicht aufzugeben.
Mit "Fortschritten" meine ich mehr als nur die Vermeidung von
Masturbation. Ich meine damit eine gewandelte Einstellung zur
eigenen Sexualität, die Annahme der Natur des eigenen Körpers und
eine Integration des sexuellen Verlangens in die Eigenwahrnehmung
der eigenen Rolle als Priester oder im Ordensleben, die William F.
Lynch "freiwillige Sublimierung von sexuellem Verlangen" nennt.
Wenn wir, auf der anderen Seite, feststellen,
dass die Anstrengungen eines Betroffenen zur Überwindung der
Masturbationhandlungen trotz psychologischer Beratung zu keiner
Verbesserung führen, scheint es richtig zu sein, ihm zu raten, den
Orden oder das Priesterseminar zu verlassen. Das Fehlen einer
Verbesserung bedeutet einen Grund für ernstzunehmende Zweifel an der
religiösen Berufung des Betroffenen. Solche Zweifel sollten
zugunsten der Kirche durch den Austritt des Betroffenen aus dem
Priesterseminar oder dem Orden gelöst werden.
Im Allgemeinen stehen Versuchungen zur
Masturbation bei Priestern und Ordensbrüdern in Zusammenhang mit
emotionalen Faktoren wie Einsamkeit, Selbsthass, Zorn und
Ereignissen aus der Vergangenheit. Sie können auf diese Versuchungen
mit weitaus weniger Angst blicken als diejenigen, welche noch nicht
die Priesterweihe erhalten haben oder die ewigen Gelübde abgelegt
haben, da sie schon ein gewisses Mass an Sicherheit erlangt haben.
Trotzdem fühlen sie sich in einem Doppelleben, indem sie all jenen,
mit denen sie arbeiten, als zölibatär Lebende bekannt sind, und sie
fühlen Scham, dass sie masturbieren, wobei die Masturbation häufig
zwanghaft ist. Viele werden von der übersexualisierten Umgebung, in
der wir alle leben, beeinflusst. So ist es zum Beispiel nicht
ungewöhnlich, dass ein Ordensbruder oder Priester nach einem
anstrengenden Tag mit ermüdenden Aufgaben und Konferenzen vor dem
Schlafengehen das Kabelfernsehen anschaltet und sich einen sexuell
stimulierenden Film ansieht. Die Folge kann ein Muster aus
Masturbation und gestörtem Schlaf sein.
Dies trifft natürlich auch auf viele Laien zu,
welche in die sexuelle Phantasiewelt des Kabelfernsehens
hineinschlittern. Was in einer solchen Situation nötig ist, ist
rigorose Ehrlichkeit bei der Vermeidung unnötiger sexueller Stimuli
und die Anstrengung, gedanklich in der realen Welt zu verbleiben.
Man sollte es sich zur Gewohnheit machen, wöchentlich oder alle zwei
Wochen zur Beichte zu gehen. Einige Ordensbrüder und Priester gehen
darüber hinaus regelmässig zu geistlichen Selbsthilfegruppentreffen
wie Sexaholics Anonymous, um sich von ihrem sexuellen Verhalten zu
befreien.
Die Faktoren, welche zu Masturbationsmustern bei
Ordensschwestern führen, sind nicht wesentlich von denen anderer
Frauen verschieden, egal ob diese alleinlebend, verheiratet oder
geschieden sind. Ein Element ist emotionale Unreife, welche analog
auch bei männlichen Ordensleuten vorkommen kann. In der Praxis
bedeutet dies, dass diese Betroffenen emotional in Beziehung zu
Menschen des anderen Geschlechts nicht ausgereift sind und wie
Jugendliche dazu neigen, eine beträchtliche Zeit in Phantasien
abzugleiten, was die Tendenz zur Masturbation zur Folge haben kann.
Wie bei männlichen Ordensleuten steigt jedoch auch bei den
weiblichen die gefühlte Schuld mit dem Eindruck, dass man ein
Doppelleben führt.
Im Gegensatz zu männlichen Ordensleuten ist es
bei Ordensschwestern weniger wahrscheinlich, dass sie die Linie zur
geschlechtlichen Aktivität mit einer anderen Person überschreiten.
Zu einem gewissen Teil mag dies daran liegen, dass männliche
Ordensleute über grössere Abschnitte unstrukturierter Zeit verfügen
und sie der Gemeinschaft weniger Rechenschaft schuldig sind als dies
bei Ordensfrauen der Fall ist. Da viele Nonnen jedoch weltliche
Kleidung übernehmen und im Berufsleben Karrieren nachgehen während
sie in Appartements leben, kann es passieren, dass sie emotional mit
anderen Menschen starke Beziehungsbande aufbauen, dass ihre
Phantasie über sexuelle Erfahrungen intensiviert wird und es kann,
bei gegebener Vernachlässigung ihres Gebetslebens, passieren, dass
sie es schwieriger finden, der Versuchung zur Masturbation zu
widerstehen. Da sie eventuell Angst vor dem Beginn genitaler
Aktivitäten mit ihnen emotional eng verbundenen Personen haben, kann
es sein, dass sie sich mit Phantasien und Masturbation zufrieden
geben. Andere Nonnen, die in Klostern mit Klausur oder teilweiser
Klausur leben und den traditionellen Habit tragen, haben eventuell
keine andere Vertrauensperson als den Priester. Diese Einsamkeit ist
ein fruchtbarer Boden für sexuelle Phantasien. Es gibt natürlich
auch andere Faktoren wie zum Beispiel traumatische sexuelle
Erlebnisse in der Kindheit, Einsamkeit, Zorn oder ein geringes
Selbstwertgefühl.
Hier gibt es einige Punkte anzumerken. Erstens
sollte man die Art der Phantasie untersuchen, welche in einer
Person, welche Grund zur Annahme hat homosexuell zu sein, zur
Masturbation führt. Betrifft diese Phantasie Kinder oder Jugendliche?
Hat sie sado-masochistische Bilder, wie zum Beispiel die Vorstellung
von einer anderen Person geschlagen zu werden oder dem anderen Leid
zuzufügen? Falls dies der Fall ist, benötigt das Individuum eine
professionelle Therapie. Falls sich, zweitens, die Person für bi-sexuell
hält, weil sie sexuelle Erfahrungen mit beiden Geschlechtern hatte,
sollte man ihr helfen über ihre Phantasiemuster nachzudenken. Falls
die Phantasien hauptsächlich heterosexueller Natur sind, sind die
Chancen gross, dass diese Person in ihrer sexuellen Orientierung
hauptsächlich heterosexuell ist. Falls andererseits die Phantasien
hauptsächlich homosexueller Natur sind, ist es wahrscheinlich, dass
die Person an dieser Entwicklungsstufe auf eine homosexuelle
Orientierung fixiert ist. Ich treffe diese Unterscheidung, weil
Jugendliche, welche Phantasien über Personen des gleichen
Geschlechts haben, im Laufe ihres Reifeprozesses aus dieser Art von
Phantasien herauswachsen können, besonders wenn sie die Hilfe einer
Therapie erhalten (Quelle 41).
Ich glaube, dass homosexuelle Menschen mit
Masturbation grössere Schwierigkeiten haben als heterosexuelle
Menschen. Eine homosexuelle Person mag oft nicht einmal sich selbst
gegenüber eingestehen, dass sie diese sexuelle Orientierung hat und
zieht sich manchmal in ein intensives Phantasieleben mit zwanghafter
Masturbation zurück (Quelle 42). Die Person fürchtet ihre
Orientierung anderen gegenüber mitzuteilen und betrachtet
Masturbation als sichere Alternative, besonders auch in der heutigen
Zeit mit der Gefahr durch AIDS. Da zudem eine homosexuelle Person es
verglichen mit einer heterosexuellen Person schwerer hat, Intimität
und Freundschaft zu finden, ist es nicht überraschend, wenn sie zu
Masturbationsgewohnheiten neigt. Die Gewohnheit der Masturbation
erhöht jedoch bei homosexuellen Menschen ihre Anfälligkeit für
Promiskuität. Zunächst beginnen sie mit Phantasien und Masturbation,
dann besuchen sie regelmässig die Homosexuellentreffpunkte, um dann
später jemanden für einen One-Night-Stand zu finden. In
Gruppendiskussionen betonen homosexuelle Personen daher oft die
drastische Bedeutung des Problems von Masturbation in ihrem Leben
und sie betrachten das Abgleiten in Masturbationshandlungen als
Misserfolg in ihrem Kampf um Keuschheit.
In der momentanen AIDS-Epidemie wurde
gegenseitige Masturbation zur Hauptform von sogenanntem "sicheren
Sex". Während es medizinisch sicher sein mag, zerstört Masturbation
die Beziehung der Person mit Gott während es die Person davon abhält,
in der Beziehung zu sich selbst ihre eigene Sexualität zu
integrieren. Sogar wenn die Gewohnheit der Masturbation unfreiwillig
ist, stellt sie immer noch einen Mangel an Integration innerhalb der
eigenen Person dar. Egal ob freiwillig oder unfreiwillig,
Masturbation führt zu tiefen Schuld- und Schamgefühlen in der
Person. Es ist daher nötig, diese Gefühle genauer zu erkunden.
Man muss zwei Arten von Schuld unterscheiden: die
gesunde und die neurotische Schuld. Wenn ich aus freiem Willen etwas
Schlechtes gemacht habe, sollte ich mich schuldig fühlen, weil ich
Gottes Gesetz gebrochen habe, das in das menschliche Herz
eingraviert ist (Römer 2:15). Wenn ich jedoch einem Alkoholiker kein
Geld in Höhe des Preises einer Flasche Whiskey gebe und mich dann
schuldig fühle, weil ich nicht auf seine Bitte eingegangen bin,
erlebe ich eine Art von neurotischer Schuld. Es ist diese Art von
Schuld welche Kinder erfahren, wenn sie beobachten, wie ihre Eltern
auf dem Weg zur Scheidung auseinander driften, denn die Kinder
fühlen, es wäre ihre Schuld. In gleicher Weise quälen sich viele
Menschen unnötig mit Fragen der Masturbation. Ich beziehe mich hier
in erster Linie auf vorbildlich lebende Personen deren einzige "Sünde"
die Masturbation ist. Der geistliche Berater oder Beichtvater, der
den Kampf dieser Leute kennt, versucht ihnen klar zu machen, dass es
bei ihnen keine freie Einwilligung zum Impuls der Masturbation gab.
Es ist keine schwere Sünde, wenn eine Person
masturbiert während sie nicht bei vollem Bewusstsein ist,
beispielsweise wenn sie erst halb wach ist oder schon halb schläft,
oder wenn sie sich von einer plötzlichen Passion mitgerissen fühlt
und sich beim Begehen des Aktes wiederfindet, obwohl ihr Wille
Widerstand geleistet hat. Es ist dies eine der Folgen der Erbsünde:
menschliche Leidenschaften neigen nun einmal dazu, über willentliche
Handlungen die Oberhand zu gewinnen (Römer 7:1-20). Ein Individuum
kann dieser Argumentation zustimmen und sich trotzdem in ihrem
Inneren der Masturbation schuldig fühlen, weil es sich sagt: "Wenn
ich es härter versucht hätte, hätte ich nicht diese Phantasien
erlebt. Ich sollte fähig sein, alle meine unkeuschen Gedanken
loszuwerden."
Das Problem mit diesem Schuldgefühl ist, dass es
voraussetzt, dass wir Menschen die perfekte Kontrolle über unsere
Leidenschaften haben, nicht nur über die sexuelle Lust sondern auch
über Habgier, Zorn und andere verwirrte Emotionen. Wir wissen, dass
wir keine derartige Kontrolle haben. Die in Masturbation verwickelte
Person muss jedoch glauben, dass sie mit Gottes Gnade die Gewohnheit
der Masturbation überwinden kann. Aber es benötigt eine
gewissenhafte Einhaltung eines geistlichen Programms. Manchmal ist
hierzu auch psychologische Beratung nötig, über die ich später mehr
ausführen werde. Meiner pastoralen Erfahrung nach ist das
Schuldgefühl ein ständiger Begleiter der Masturbation. In vielen
Individuen findet sich jedoch auch ein Schamgefühl, das vom
Schuldgefühl unterschieden werden kann.
Scham geht über Schuld hinaus, denn Schuld
betrifft nur Gefühle und das Urteil, gegen sein Gewissen gehandelt
zu haben und daher die schlechte Tat bereuen zu müssen, während
Scham das Gefühl ist, selbst nicht gut zu sein, wertlos zu sein, und
sein Verhalten nicht kontrollieren zu können. Dieser intensive
Selbsthass findet sich zu Beginn der zwanghaften Masturbation und
anderen Formen von Zwanghaftigkeit. Wahrscheinlich ist zwanghafte
Masturbation weiter verbreitet als jede andere sexuelle Sucht, weil
sie so leicht verfügbar ist und über eine lange Zeitdauer unter
totaler Geheimhaltung und scheinbar ohne schädliche soziologische
Folgen angewandt werden kann. In der Tat wird sie oft gar nicht als
Problem angesehen und entsprechend gar nicht ernst genommen. E.
Michael Jones nennt sie "das Einstiegs- und am meisten verbreitete
Laster" (Quelle 43).
Nachdem wir nun einige der häufigsten Formen der
Masturbationsausübung beschrieben haben - und ich gebe zu, seltenere
Formen hier weggelassen zu haben - werde ich nun einige pastorale
Ratschläge anbieten, welche von mir beratene Personen als hilfreich
erachtet haben. Dabei bin ich mir bewusst, dass es keine unfehlbaren
Ratschläge gibt und dass manchmal trotz gewissenhafter Verwendung
solcher Vorschläge die Betroffenen gelegentlich auf ihre so tief in
ihrer Person verwurzelte Tendenz zurückfallen. Bei der Entwicklung
eines pastoralen Ansatzes ist es notwendig zu verstehen, dass das
Phänomen Masturbation im Kontext des Lebens des Betroffenen gesehen
werden muss, da in diesem Kontext die versteckte Bedeutung der
Masturbation für den Betroffenen liegt. Masturbation bei Kindern ist
wesentlich anders von der bei Jugendlichen oder der bei Erwachsenen
und unter Erwachsenen finden sich verschiedene Arten von
Masturbationsaktivitäten, welche jede eines unterschiedlichen
pastoralen Ansatzes bedürfen.
Kindheit: Was auch immer der Grund für
Masturbation in der Kindheit sein mag, es ist unwahrscheinlich, dass
der Berater direkt mit dem Kind interagieren kann, da es ja noch
nicht zu reifen moralischen Schlussfolgerungen fähig ist. Die Eltern
haben jedoch die Verantwortung sicherzustellen, dass das kleine Kind
sich nicht durch häufige Masturbation selbst schädigt. Andre Guindon
zitiert Quellen, die der Ansicht sind, dass übermässige Masturbation
zu starken Belastungen des Herzens und des Nervensystems führt. Er
betont zudem, dass der psychologische Schaden dem bei Erwachsenen
anzutreffenden Schaden ähnlich sei und zieht daraus die
Schlussfolgerung, dass das Ignorieren der "in
die Länge gezogenen und intensiven (Betonung durch den Autor)
Masturbation, besonders im Alter zwischen sechs Jahren und der
Pubertät, ohne Zuzug der Meinung eines Spezialisten moralisch
unverantwortlich ist" (Quelle 4).
Gewöhnlich bedarf Masturbation im Kindesalter
keiner Beratung des Kindes, aber die Eltern sollten stattdessen
angeleitet werden, gelegentliche Masturbation in einer ruhigen Art
zu akzeptieren und zu realisieren, dass unter den häufigsten Gründen
für dieses Verhalten die Sehnsucht des Kindes nach Zuneigung oder
seine unbewusste Verführung durch die Eltern beim Baden ihrer Kinder
sind. Die Kinder sollten zudem eine angemessene Anleitung über die
physische Hygiene ihrer Genitalien erhalten.
Da ich bereits den pastoralen Ansatz für
Jugendliche abgehandelt habe, möchte ich hier nur noch einige
Überlegungen anfügen. Eine betrifft das starke Phantasieleben von
Jugendlichen und ihr Verlangen, einen sexuellen Orgasmus zu erleben.
Der Druck von Gleichaltrigen ("Peer Group"), mit Masturbation zu
experimentieren, ist unter Jungen ein noch grösserer Faktor als
unter Mädchen. Im frühen Jugendalter tendieren Jungen zudem dazu,
mehr Zeit in ihrer Phantasie zu verbringen. Dem kann entgegengewirkt
werden, wenn man dem Jungen hilft, aus seiner unwirklichen Welt in
die reale Welt zu gelangen, wo er echte Freundschaften formen kann.
Ohne Zweifel ist dies nicht leicht, wenn man bedenkt, welche Musik
auf Konsum durch unsere Jugend abzielt. Vielleicht benötigen unsere
Jugendlichen eine stärker strukturierte und forderndere Abwechslung
zwischen Studium und Spiel, um ihnen zu helfen, in der echten Welt
zu leben.
Eine richtige Sexualerziehung durch Eltern oder
Personen, an die sie dies delegieren, berücksichtigt nächtlichen
Samenerguss und Menstruation und wird junge Leute in die Lage
versetzen, einzusehen, dass auch andere das gleiche Problem haben.
In diesen Gebieten meinen Jugendliche oft, sie seinen mit ihrem
Problem ganz alleine. Die Jugend muss verstehen lernen, dass man
nicht per Zufall sündigen kann. Man muss sich der Tat bewusst sein
und diese aus freiem Willen begehen. Wenn jemand in seinem
geistlichen Leben sorgsam und aufrichtig darauf bedacht ist, Gott
aus ganzer Kraft zu lieben, ist es unwahrscheinlich, dass er sich
aus vollem freien Willen der Masturbation hingibt. Es ist diese
weitere Perspektive, in der man seine grundsätzliche Beziehung zu
Gott untersucht und dann eine individuelle Tat beurteilt: "Wenn im
Grossen und Ganzen das Gebetsleben generell gut und gesund ist, dann
kann sicher davon ausgegangen werden, dass keine volle Einwilligung
zur Tat vorlag und Du nicht einer Todsünde schuldig bist, obwohl Du
etwas getan hast, das man "ernste Angelegenheit" nennt" (Quelle 46).
Es ist nötig, einige moralische Prinzipien zum
Thema guten Willen zu wiederholen, die weder für Jugendliche noch
für Erwachsene immer offensichtlich sind. Hier eine kleine Auswahl:
Spontane Erregung ist keine Sünde; die Tatsache,
dass man gegen sexuelle Phantasien ankämpft, deutet an, dass man
wenn überhaupt dann kein volles Einverständnis zur Tat gegeben hat.
Im Zweifelsfall bezüglich der freien Zustimmung zur Tat gilt es, von
keiner freien Zustimmung auszugehen.
Beratenen sollte gezeigt werden, dass es eine
enge Verbindung zwischen den Gefühlslagen der Depression, des Zornes
und der Einsamkeit mit sexuellen Phantasien und der Versuchung zur
Masturbation gibt. In anfälligen Zeiten sollte man daher eine
speziell grosse Anstrengung in Kopf und Herz unternehmen, um sich
selbst in die echte Welt zurückzubringen und sich ganz speziell auf
die Bedürfnisse von anderen zu konzentrieren. Wie bereits betont,
wird bei jedem Überhandnehmen von Phantasien empfohlen, sich in
Aktivitäten ausser Hauses zu betätigen, um den Bann der
Vorstellungskraft zu brechen. Um es kurz zusammenzufassen: wir
müssen in den Stunden unseres Wachseins unseren Phantasien mit
Selbstdisziplin begegnen. Ich habe entdeckt, dass dieser obige
Ratschlag, in der Realität zu verbleiben, am besten bei den Personen
fruchtet, welche die Gewohnheit der Masturbation überwinden wollen.
Er hilft auch bei zwanghaft Masturbierenden aber wie wir bereits
angedeutet haben, bedarf jede Art von Zwangsneurose der
gewissenhaften Einübung der Zwölf Schritte, inklusive einer Art von
Hilfestellung durch eine Selbsthilfegruppe wie die Sexaholics
Anonymous (S.A.).
Die Jugend muss daran erinnert werden, dass die
Aneignung einer Tugend eine Lebensaufgabe ist und dass Gott keine
Soforthilfen gegen menschliche Schwächen verabreicht, obwohl wir in
Sachen Keuschheit meinen, er sollte uns umgehend heilen. Es scheint,
dass Gott uns in einigen Fällen die Gnade gibt, etwas trotz
zahlreicher Fehler in der Vergangenheit nochmals neu versuchen zu
dürfen. "Wir können in der Tat sicher sein, dass perfekte Keuschheit
- wie perfekte Nächstenliebe - durch keine menschliche Anstrengung
erreicht werden kann. Du musst um Gottes Hilfe bitten. Auch wenn Du
dies gemacht hast, mag es scheinen, dass Dir keine Hilfe, oder
weniger Hilfe als Du benötigst, gegeben wird. Mach' Dir nichts
draus. Bitte nach jedem Rückschlag um Vergebung, steh wieder auf und
versuche es nochmals. Wobei uns Gott oft zuerst hilft, ist nicht bei
der Tugend selbst, sondern er gibt uns lediglich die Kraft, es
nochmals zu versuchen" (Quelle 47).
Im Lichte unseres Wissens über unser Wissen zur
Masturbation bei Männern mit ihrem Fokus auf dem physischen Akt und
der Erleichterung durch Nachlassen der sexuellen Spannung, ist es
nicht überraschend zu erfahren, dass Masturbation bei jugendlichen
Männern häufiger vorkommt als bei jugendlichen Frauen. Die Natur der
sexuellen Anatomie des Mädchens mit ihren verstreuten erogenen
Zonen, dem zeitlich späteren weiblichen sexuellen Potenzhöhepunkt
und ihrer romantischeren Sicht von Geschlechtsverkehr sind alles
Gründe, warum Masturbation für weibliche Jugendliche keine so grosse
Versuchung darstellt wie für männliche. Jugendliche Mädchen
verstehen die Bedeutung ihrer körperlichen Reaktionen mit einer
weniger hohen Wahrscheinlichkeit als Jungen und sie masturbieren
daher vielleicht auf indirekte und versteckte Arten, ohne sich über
die Verkehrtheit der Handlung bewusst zu sein (Quelle 48).
Reinlichkeitsrituale werden zu Masturbationsarten. Mit der grösseren
Verfügbarkeit von erotischen Materialien werden sich jedoch
Jugendliche beiderlei Geschlechts über die Quellen von Orgasmen
bewusster. Discomusik und offen zweideutige Liedtexte sind schon in
den frühsten Jugendjahren weit verbreitet.
Bei der Beratung junger Frauen trifft man sowohl
jene, welche die Gewohnheit zur Masturbation herausgebildet haben,
ohne sich ihrer Bedeutung bewusst zu sein, als auch jene, welche
inzwischen wissen, was sie machen, sich aber hilflos nicht in der
Lage sehen, es zu kontrollieren. Diese zweite Gruppe bedarf der Art
von Hilfe, welche wie oben beschrieben den zwanghaften
Masturbierenden gegeben wird. Die erste Gruppe wird von einem eher
indirekten Ansatz profitieren: es gilt ihnen zu helfen, ihr Leben
als Ganzes zu sehen. Masturbation bei Mädchen ist ein Symptom für
Störungen in ihrem Zuhause und mit ihren Gleichaltrigen, wie
oberflächlich diese Störungen auch sein mögen. Ohne die bereits
angesprochenen Hilfsmittel zur Vermeidung von Masturbation zu
vernachlässigen, sollte den jungen Leuten geraten werden, ihre
Beziehungen mit ihnen wichtigen Personen zu harmonisieren und
vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihrem eigenen
Selbstbild ins Reine zu kommen. Ein derart indirekter Ansatz ist
zeitaufwendig aber auf lange Sicht dem jungen Mädchen dienlicher.
Es wäre eine Wiederholung, hier die These
auszuführen, dass im Allgemeinen masturbierende Erwachsene starke
narzistische Tendenzen aufweisen, mit denen man sich konfrontieren
muss und die es zu überwinden gilt. Manchmal ist eine professionelle
Therapie nötig. Wie bereits angedeutet, ist es nötig, das eigene
Lebensmuster zu ändern. Dies kann am wirksamsten mit einer soliden
geistlichen Begleitung erreicht werden. Dies wiederum lässt uns nun
das Augenmerk auf die geistlichen Auswirkungen von Masturbation
lenken, ein Aspekt, der selten diskutiert wird. Dr. William Kraft
und Pater Bernard Tyrrell haben jedoch Licht auf die geistlichen
Aspekte der Masturbation geworfen (Quelle 49).
Nach Kraft zeigen masturbierende Handlungen
hauptsächlich auf, dass das eigene soziale, geistliche, emotionale
und physische Leben noch nicht integriert sind. Aus seiner grossen
klinischen Erfahrung betrachtet, sieht er die verführende Natur der
Masturbation. Diese ist ein einfacher und leicht verfügbarer Weg, um
Spannungen abzubauen und an den Geschlechtsorganen empfundene
Gefühle zu erforschen, ohne in interpersonellen Beziehungen
involviert zu werden. Die Phantasie, welche solchen Handlungen
vorausgeht, kann sicher geheimgehalten werden. Wenn Masturbation die
Hauptquelle für Intimität und Erfüllung wird, verletzt sie unser
geistliches Wachstum. Wir leben dann nicht in einer echten Welt
sondern in einer Welt von erfundenen Personen, "wo alles möglich ist
und wo es keine Schranken gibt."
Kraft legt zudem dar, dass Masturbation bei
Erwachsenen oft aus nichtgeschlechtlichen Erfahrungen entsteht,
sodass es auch um mehr als nur geschlechtliche Befriedigung geht.
Erwachsene werden oft "aus Langeweile, Angst und Einsamkeit" zur
Masturbation bewegt (Quelle 51). Sie ist ein Zeichen von Unreife
insofern Erwachsene Intimität mit anderen nur in Phantasien suchen
anstatt in der echten Welt mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.
Die menschliche Sexualität ist dazu gedacht, auf andere ausgerichtet
zu sein, Liebe und Zärtlichkeit anderen gegenüber in Gemeinschaft
auszudrücken.
Kraft sieht jene, welche "hoch geistige Leben
leben, vom Nacken aufwärts, als Kandidaten für Masturbation, weil
sie sich danach sehnen, das Leben vom Nacken abwärts her zu erleben."
Ihr Mangel an Körperlichkeit im täglichen Leben führt zu Spannungen,
die durch Masturbation verringert werden könnten. Während solche
Personen (meist Ordensleute oder Singles) in Masturbation
kurzfristige Erleichterung finden, wachsen sie jedoch nicht
geistlich. Einige Individuen gehen in ihrem Versuch der
Rechtfertigung von Masturbation so weit, dass sie Körperlichkeit auf
Kosten der geistigen Wahrheit verabsolutieren (Quelle 52). In der
persönlichen Geschichte dieser Personen zeigt sich, dass sie ihr
affektives Verlangen lange Zeit unterdrückt haben. Eine ähnliche
Reaktion findet sich bei arbeitssüchtigen Ordensleuten. Die
Herausforderung ist daher, über Masturbation hinauszugehen und auf
den Prozess der Rekonstruktion des eigenen Lebens in ein
integriertes Leben abzuzielen. In unserer übersexualisierten Kultur
ist dies keine kleine Aufgabe.
Kraft empfiehlt ein den Anonymen Alkoholikern
ähnliches Programm, in welchem er Selbstkasteiung betont: "Manchmal
bedarf es einer beträchtlichen Selbstkasteiung, um unser
körperliches Verlangen nach geschlechtlicher Befriedigung zu
verringern. Ähnlich einem Alkoholiker, der sich nach einem Schluck
Alkohol sehnt, muss der Masturbierende lernen, im Dienste einer
gesunden Bestätigung "nein" zu sagen" (Quelle 53). Man kann
hinzufügen, dass Sexaholics Anonymous eine ähnliche Bedeutung darauf
gelegt haben, Masturbation durch die Einübung der Zwölf Schritte zu
beenden.
Beim Versuch, dem Ideal einer in unsere Person
integrierten Sexualität näherzukommen, läuft man Gefahr, der
Illusion aufzuliegen, wonach "alleine die rechte Einsicht uns in die
Lage versetzt unsere Gefühle und unser Verhalten zu verändern." Wir
würden damit die Kraft der Gewohnheit in unserem Leben in dem Masse
unterschätzen, in welchem unsere Körper bereits auf ein Sehnen nach
beruhigenden Erfahrungen konditioniert sind. Masturbation kann ein
derart grosser Teil unseres Verhaltensmusters werden, dass seine
Elimination eine tiefe Erfahrungsleere hinterlässt, welche auf
irgendeine Art und Weise gefüllt werden muss. Vieles weist für mich
darauf hin, dass die Erfahrung einer echten Beziehung zu Gott im
Gebet und mit anderen Menschen in Freundschaft diese Leere füllen
helfen wird.
In den Zwölf Schritte Programmen für sexuelle
Süchte wird wiederholt darauf hingewiesen, dass gute Absichten und
Willenskraft nicht ausreichen. Unterdrückung von sexuellen
Phantasien durch sofortiges Bekämpfen sexuellen Verlangens,
Selbstkasteiung und die freiwillige Sublimierung von sexuellem
Verlangen sind positive Wege, die eigene Sexualität zu integrieren.
Gleiches gilt für die Willensentscheidung der Auslieferung des
eigenen Lebens in Gottes Hände. Gottes erlösende Gnade wird der
Person dabei helfen, wahre Intimität anstelle der Befriedigung des
Fleisches zu finden. Aber all dies benötigt Zeit.
Auf kürzere Sicht muss man die eigene Gefühlslage
überwachen, damit man wiederkehrende Muster von Phantasien und
Masturbation festhält. Man wird auf Gefühle und Stimmungen
aufmerksam, die regelmässig der Masturbation vorausgehen. Dies kann
der Person dabei helfen, Masturbation zu vermeiden. Wenn die
Schlafenszeit für eine Person oft eine schwierige Zeit ist, kann sie
lernen, Wege zur Vermeidung der Phantasien zu finden. Die
Spannungen, welche zu dieser Zeit erlebt werden, können vermieden
werden, wenn man sich während der letzten Stunden des Tages mehr
entspannt und wenn man vor dem Schlafengehen seinen Geist und sein
Herz mit inspirierender Lektüre füllt. Es ist keine gute
Idee zu versuchen, im Spannungszustand schlafen. Gewöhnlich
verfolgen eine Person in diesem Zustand sexuelle Phantasien.
Im Zeitalter von Satellitenfernsehen und
spätnächtlichem Kabelfernsehen sollten Menschen, welche zur
Masturbation tendieren, die meisten der spätabendlichen Filme strikt
meiden. Man wird versucht sein, den Konsum dieser Filme im Namen von
kultureller Fortbildung zu rechtfertigen, aber man kann wirklich
ohne diese glorifizierte Pornographie leben.
Ein unerkundetes Forschungsgebiet bleibt die
Verbindung zwischen frühkindlichem Inzest und Kindesmissbrauch und
der Tendenz zur Masturbation im Erwachsenenalter. Ich habe wenig
Zweifel daran, dass die Opfer von sexuellem Missbrauch und/oder
Inzest verschiedene Arten von sexuellen Problemen haben und ich
glaube, dass eines von ihnen die frühe Entwicklung von
Masturbationsmustern ist. Ein katholischer Priester kann solchen
Personen wirksam weiterhelfen.
Ein Artikel von Pater Bernard Tyrell, der im
Grunde eine Kritik am englischsprachigen Buch
Sexual
Celibate von Pater Donald Goergen ist, wirft auch auf das
Problem Licht. Er zeigt, dass Goergen die theologischen Aspekte des
geweihten Zölibats nicht genügend berücksichtigt hat und dass
Masturbation bei Ordensleuten als Widerspruch zu ihrem Gelübde des
Zölibats gesehen werden muss. Er vermutet, dass "die Hauptschuld,
welche der einem zölibatären Leben Geweihte erfährt, wenn er oder
sie masturbiert, das Ergebnis der Phantasien ist, welche in der
Vorstellung und den Wünschen unterhalten werden. Es scheint mir
ziemlich offensichtlich zu sein, dass von einem psychologischen
Standpunkt her, und auch aus gesundem Menschenverstand, der einem
zölibatären Leben Geweihte sich, wenn er Phantasien über
Geschlechtsverkehr und dergleichen Dingen unterhält, beim Akt der
Masturbation notwendiger Weise in einen als existentiell erlebten
Widerspruch zwischen seinem freiwillig gewählten zölibatären Leben
und seiner konkreten Handlung stürzt" (Quelle 55).
Aus diesem Grund stimmt Tyrrell nicht mit
Goergens Hypothese über das schuldfreie Masturbieren von geweihten
Zölibatären überein. Eine aus ganzem Herzen kommende Akzeptanz des
Zölibates ist nicht mit der Trivialisierung des Problems der
Masturbation bei Ordensleuten zu vereinbaren. Masturbation ist eine
schwerwiegende Angelegenheit, obwohl der Betroffene keiner schweren
Sünde schuldig sein mag, weil bei zwanghaft Masturbierenden der
Mangel an Bewusstsein und Hürden zur Ausübung des freien Willens
vorliegen. Trotzdem haben derartig Betroffene die Verpflichtung dazu,
Schritte zu unternehmen, welche sie von dieser Gewohnheit oder
diesem Zwang befreien. In diesem Unterfangen ist Gottes Gnade immer
notwendig.
Die Gewohnheit / der Zwang zur Masturbation ist
ein in der Pastoralarbeit der Kirche in Amerika vernachlässigtes
Problem. Die Ansicht, Masturbation sei kein ernstes Problem,
ignoriert die Daten seriöser geistlicher Begleiter und Berater.
Berater in den Bereichen Drogen und Sexualsüchte beharren darauf,
dass die von ihnen beratenen Personen eine Gewohnheit oder einen
Zwang loswerden möchten, der die Genusssucht fördert. Dr. Kraft
sieht Masturbation als ernsthaftes Hindernis zur wahren sexuellen
Integration. Es ist an der Zeit, dass wir Beichtväter und
geistlichen Berater von unseren weltlichen professionellen Kollegen
lernen und ihre Erkenntnisse um die Weisheit der über die
Jahrhunderte gereiften Lehre der Kirche ergänzen.
1. The Courage To Be
Chaste, The Paulist Press, Mahwah, NJ., 64-65.
2. New Catholic
Encyclopedia, "Masturbation", vol. 9, 438-440 at 438.
3. 91. Der ganze Text findet
sich in: Letter to a Mr. Masson (March 6, 1956) Wade Collection,
Wheaton College, Wheaton, Ill
4. A Guide
to Formation in Priestly Celibacy, no. 63. pp. 53-54.
5. Siehe Out of the
Shadows, 1983, und Contrary To Love, 1989, Compcare Publ.
2415 Annapolis Lane, Minneapolis, MN, 55441.
6. Paragraf 9,
zitiert aus L'Osservatore
Romano, Jan. 22, 1976.
7. Herant A.
Katchadourion and Donald T. Lunde, Fundamentals
of Human Sexuality, Holt, Rinehart and
Winston, Inc. New York, 1972, P. 473.
8. Anthony Kosnik, et at, p.
219. Die zitierte Meinung stammt von Josef Fuchs, S.J.
9. Autoerotisma Un
problema morale nei primi secoli cristiana? Conclusioni, 255-267.
Centro Editoriale Dehoniano Via Nosadella, 6, 40123 Bologna, 1986.
I am grateful to Barnabite Father Gabriel Patil for translating
pertinent parts of this book.
10. William E. May, Summary of
Silverio Zedda, Si, Relative e Assolute nella morale de San
Paolo, Brescia: Paicleia Editrice, 1984, 393 pp. Das Zitat
stammt von Seite 21 der Zusammenfassung von May.
11.
Ibid., 438. Siehe auch Vatican Declaration on Sexual
Ethics, Paragraf 9:
"The principal argument in support of this truth is that the
deliberate use of the sexual faculty outside of marriage
is essentially contrary to its purpose. For it lacks that sexual
relationship demanded by the moral order and in which the total
meaning of mutual self giving and human procreation in the context
of true love is achieved."
12. Ibid 438.
13. Ibid 438.
14. Ibid 438.
15. Ibid.,
438 Farraher ist auch der Ansicht, dass man für einen ausreichenden
Grund, wie beispielsweise erholender Schlaf oder Studium, nicht
gezwungen ist, "für lange Zeit gegen solch unfreiwillige Bewegungen
und Versuchungen" positiven Widerstand zu leisten" (440).
16. ibi4 438.
17. "Masturbation and
Objectively Grave Matter" in A New Look at Christian Morality, Notre
Dame, Ind. Fides Press, 1968, p. 214. Pater Curran stellte diese
Meinung zuerst auf der Konferenz Catholic Theological Society of
America im Jahr 1966 vor.
18. Ibid p. 220.!
19. Declaration on Certain
Questions Concerning Sexual Ethics, Paragraf 9.
20. Rev. Ronald Lawler, OFM,
CAP, Jos. Boyle, Jr., and Wm. E. May, 187-195, Our Sunday Visitor,
Inc., Huntington, Indiana, 46750.
21. Declaration
on Certain Questions Concerning Sexual Ethics par.
9.
22. Ibid 190-191.
23. Section 12: "By
safeguarding both these essential aspects, the unitive and the
procreative, the conjugal act preserves in its fullness the sense of
true mutual love and its ordination to man’s most high
calling to parenthood."
24. Siehe Buch acht, ch. 8-12,
inklusive der klassischen Beschreibung des Willenskonfliktes und
seine Auflösung durch göttliche Gnade. Übersetzung von Frank Sheed,
Sheed and Ward, London, 1949, pp.
135-142.
25. 1989 S.A. Literature, P.O.
Box 300, Simi Valley, CA 93062.
26. 1986 The Augustine
Fellowship, P.O. Box 88, New Town Branch, Boston, MA, 02258.
27. Definition von John
Bradshaw. Siehe John Bradshaw, Healing The Shame That Binds You, Health
Communications Inc., Deerfield, FL, 33442.
28. Out of the Shadows, Compcare
Publications, 2415 Annapolis Lane, Minneapolis, MN
55441, 1984, Siehe
auch Anne Wilson Schaef, Escape From Intimacy, Harper
and Row, 1989,1-5.
29. Contrary to Love, 1989, Compcare
PubL 2415 Annapolis Lane, Minneapolis, MN 55441,
4-7.
30. "Irresistible
Impulses: A Question of Moral Psychology", AmericanEcclesiastical
Review,
100, 1939, 219.
31. Ibid 440.
32.
Allers, Ibid 216-217. Siehe auch John Ford und Gerald Kelly,Contemporary
Moral Theology, vol. I, Questions
in Fundamental
Moral Theology (Westminster,
MD, Newman Press, 1958), 230.
33. Siehe Walter and Ingrid
Trobisch, My Beautiful Feeling, Korrespondenz mit Illona
Intervarsity Press, 1977, Downers Grove, Illinois, 60515. Eine
deutsche Jugendliche enthüllt ihre inneren Gefühle über Masturbation
als Widerstand zu einem liberalen Schullehrer.
34. 64-69, Paulist Press,
Mahwah, N.J., 07430.
35. John F. Harvey, OSFS,
"Expressing Marital Love during the Fertile Phase" International
Review of Natural Family Planning, vol. 5, no. 4 (Winter, 1981)
204-210. Er schrieb einen Artikel über Masturbation in der Ehe in
der gleichen Ausgabe, vol. 3, 134-140.
36. John F. Kippley
zeigt in seinem neuen Buch Sex and the Marriage
Covenant The Couple to Couple League
International, Inc. Cincinnati, Ohio, 1991, den Zusammenhang
zwischen Verhütung und Masturbation. Wenn man zugunsten der
Verhütung auf der Basis der ganzen Geschichte der Ehe argumentiert
(jemand hat bereits zumindest schon vier Kinder und hat seine
Pflicht erfüllt) dann kann dasselbe Argument auch Masturbation in
der Ehe rechtfertigen. Beide Argumente gehen aber ins
Leere. 292-293.
37. John F. Harvey,
OSFS, "Homosexuality and Vocations" AmericanEcclesiastical
review; vol. 164, no.
1, Jan., 1971, 42-55. Während ich in diesem Artikel hauptsächlich
die Frage von Homosexualität und Berufungen behandle, behandle ich
auch die Rolle des geistlichen Begleiters bei den beiden Themen
Homosexualität und Masturbation.
38. The
Sexual Celibate, New
York, The Seabury Press, 1974, 201.
39. ibid 203-204.
40. Images of Hope, New
York, 1966, 119-120,
41. See Leanne Payne, The
Broken Image, Westchester, III., 1982. 46-47.
42. Martin Buber schrieb vom
"unheimlichen Versteckspiel in der Dunkelheit der Seele, in welcher
sich die Seele des Single selbst aus dem Weg geht, sich selbst
meidet, sich selbst vor sich selbst versteckt" Zitiert von M. Scott
Peck, The People of the Lie, Simon and Schuster, N.Y., 1983,
76.
43. "The Solitary
Vice Goes Public", Editorial, Fidelity, Notre Dame, IN,
1985,5. Jones führt weiter aus: "Der Kampf mit der Versuchung zur
Masturbation ist die Schmiede, in welcher Jugendliche ihren
Charakter formen. Sie lernen entweder wie sie sich selbst
kontrollieren, mit allem, was dies nach sich zieht, oder sie lernen
es nicht, mit all der Selbst-Plünderung, welche dann auf Hass auf
die Autorität projeziert wird, welche dies nach sich zieht.
Masturbation ist, in diesem Sinne, die Wurzel des sexuellen Übels - zu
allererst von einer Entwicklungsperspektive aus gesehen, denn es ist
die Einführung des Kindes zum sexuellen Sündigen, aber auch weil
jedes andere Sündigen an seiner Wurzel masturbativ ist" ibid
44. Wilhelm Stekel, Autoeroticism, Grove
Press, N.Y., 1950.
45. The Sexual
Language, U. of Ottawa
Press, 1976, 284.
46. William Bausch, Pamphlet,
"Masturbation" Claretian publ, 17.
47. C. S. Lewis, Mere
Christianity, zitiert
in Bausch, "Masturbation", 35.
48. Wilhelm Stekel, op. ciL, 13
1-135. Stekel benutzt den Betriff "kryptische" Masturbation.
49. William F. Kraft,
"A Psycho-Spiritual
View of Masturbation" Human Development, Summer,
1982, 39-45; Bernard J. Tyrrell," The SexualCelibate and
Masturbation" Review for Religious, vol.
35, 1976/3, 399-408.
50. Kraft, op. cit. 40.
51. Ib~4 41.
52. 1b14 41.
53. 1b14 43.
54. 1b14 43.
55. Tyrrell, ibid. 405.
56. Tyrrell bezieht sich auf sein
Buch ~ Christotherapy:
Healing Through Enlightenment: Healing Through Enlightenment (New
York~ Seabury, 1975) um seine These besser zu verstehen, wonach eine
masturbationsfreie Existenz nicht nur für Ordensleute sondern auch
für Laien möglich ist.
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(C) 2000 Courage.